Bernadette Heerwagen: Endlich ein Luder

(tsch) Wer mit gerade einmal 30 Jahren bereits zwei Grimme-Preise sein Eigen nennt, verdient als Schauspieler Beachtung. Gerade hat Bernadette Heerwagen die renommierte Trophäe für ihre Rolle einer taffen DDR-Traktoristin im ZDF-Film "An die Grenze" erhalten, 2005 gewann sie den Preis für das Drama "Grüße aus Kaschmir". Dennoch wirkt die zarte Blondine keineswegs wie eine mit überbordendem Selbstbewusstsein ausgestattete Diva. Natürlich und bescheiden gibt sich die wandlungsfähige Autodidaktin, die Regisseur Miguel Alexandre ("Die Frau vom Checkpoint Charlie") bereits als 15-Jährige bei einem Schüler-Workshop entdeckte. Nun hat der Regisseur seine Muse ein weiteres Mal verpflichtet - als gefallene Schöne im Rotlichtmilieu von Kapstadt. Den Thriller "Der Tod meiner Schwester" zeigt das ZDF am Montag, 26.05., um 20.15 Uhr.

teleschau: In "Der Tod meiner Schwester" spielen Sie im entsprechenden Outfit eine Frau aus dem Rotlichtmilieu. Zum Interview erscheinen Sie heute im Businesskostüm mit zusammengesteckten Haaren. Wir hätten Sie fast nicht erkannt!

Bernadette Heerwagen: Das geht vielen Leuten so!

teleschau: Fühlen Sie sich wohler in strenger Kleidung?

Bernadette Heerwagen: Ich habe das heute ganz bewusst angezogen. So ein Pressetermin mit Fotografen hat ja schon einen offiziellen Charakter, dem wollte ich damit Rechnung tragen. Mir passiert es auch oft, dass ich Schauspieler mit ihren Rollen verwechsle und dann überrascht bin, dass die privat ganz anders rumlaufen als im Film. Obwohl das doch eigentlich selbstverständlich ist, funktioniert die Illusion der Rolle. Das Mädchen aus dem Rotlichtmilieu ist aber tatsächlich sehr weit von mir selbst entfernt. Wahrscheinlich das Entfernteste, das ich bis jetzt gespielt habe. Normalerweise kommt niemand auf die Idee, mich für eine solche Rolle zu besetzen.

teleschau: Warum nicht? Steht Ihnen das Luder so fern?

Bernadette Heerwagen: Ich gelte bisher eher als die Frau fürs Dramatische. In meinen Rollen bin ich entweder blind, taub, schwanger oder alles zusammen (lacht). Eine Frau aus dem Rotlichtmilieu zu spielen, ist auf jeden Fall mal etwas anderes für mich. Endlich mal eine harte Rolle, ansonsten werde ich eher weich gesehen.

teleschau: Gerade haben Sie für die Rolle einer DDR-Traktoristin im ZDF-Film "An die Grenze" einen Grimme-Preis bekommen. Auch da spielen Sie eine etwas herbere Frau, die in der Liebesbeziehung sagt, wo es langgeht ...

Bernadette Heerwagen: Die Rolle der Traktoristin in "An die Grenze" war ein Wendepunkt. Ein Film, der nicht nur wegen des Preises sehr wichtig für mich war. Da durfte ich mich zum ersten Mal etwas burschikoser und härter zeigen. Solche Imagesprünge sind wichtig, damit man die Möglichkeit hat, sich tatsächlich weiterzuentwickeln als Schauspielerin und interessante, abwechslungsreiche Rollen angeboten zu bekommen.

teleschau: Wenn man sich Ihre Filmliste ansieht, sind da hoch dekorierte, sehr anspruchsvolle Sachen dabei, aber auch sehr leichte Kost, bei der man vorher weiß: Hiermit werde ich keinen Preis gewinnen. Welche Karrierestrategie verbirgt sich dahinter?

Bernadette Heerwagen: Meine Strategie besteht darin, dass ich ganz viel absage. Alles, was mich nicht berührt, lasse ich liegen. Auf der anderen Seite macht es viel Spaß, wenn man ein gutes Drehbuch liest

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