"Autobahnraser" - Coolness auf Deutsch
(tsch) Breite Reifen, röhrende Auspuffrohre und schneidig geformte Karosserien sind in Deutschland nicht erst seit dem "Pimp my Ride"-Hype der ländlichen Jugend liebster Fetisch. Verwunderlich ist bei einer solch autoverrückten Gesellschaft wie der deutschen, dass bisher fast ausschließlich die Amerikaner mit hochgezüchteten PS-Streifen die Kinos unsicher machten. 2004 kam jedoch mit "Autobahnraser" ein einheimischer "Fast and the Furious"-Ableger in die Kinos - leider wie gewohnt ein allzu gleichförmiger Abklatsch dessen, was in good old Hollywood funktioniert hat. Nun ist die geistig tiefer gelegte Oktan-Orgie, die auf einer üblen Computerspiele-Reihe fußt, abermals bei ProSieben zu sehen.
Luke Wilkins als selbsternannter Undercover-Polizist Karl-Heinz ist eben kein Paul Walker. Und Star Alexandra Neldel ("Unschuldig", mittwochs, 20.15 Uhr, ProSieben), bei aller liebreizenden erotischen

Ausstrahlung, kann kaum mit den PS-Bitches aus Übersee mithalten. Aber das muss sie auch nicht. In der natürlichen Ausstrahlung der Darsteller liegt denn auch eine Stärke des Films von TV-Regisseur Michael Keusch. Der Zuschauer nimmt Thomas Heinze, Collien Fernandez (demnächst für eine ProSieben-Doku-Soap mit Gülcan auf dem Bauernhof) und Co. kaum die beabsichtigte Coolness ab, will es aber auch überhaupt nicht. Hier geht es um einen ambitionierten Versuch, den revolutionären Drive von Autoschraubern auf das wohl geordnete und im Vergleich zu US-Highways etwas biedere deutsche Autobahnmodell zu übertragen. Das hat fast schon wieder Stil.
Die Geschichte ist dabei zweitrangig: Dem Grünrock Karl-Heinz unterlaufen immer wieder Pannen. Ständig gehen ihm irgendwelche Ordnungsbrecher durch die Lap

pen. Um seinen Chef zu beeindrucken, schleust er sich unerkannt in die Autoraser-Bande ein. Mit der Zeit findet er Gefallen an den unkomplizierten neuen Freunden und den attraktiven Mädchen in der Runde. Freilich kommen Gewissensbisse, denn er wollte die Raser hochgehen lassen. Nur möchte er nun seine Kumpel nicht mehr verraten. So ist "Autobahnraser" doch nicht nur ein Film über PS-starke Karren, sondern auch das ewige Drama um Anerkennung unter Jugendlichen.
Cool ist dieser Film nicht. Eher nett, liebenswert witzig, eben typisch deutsch. Das soll keine negativen Konnotationen haben. Doch was die "The Fast and the Furious"- oder selbst die französische "Taxi"-Trilogie vorweisen können, lässt sich offenbar nur bedingt von hiesigen Darstellern umsetzen: Coolness durch Exotik. Aber letztlich ist es schon auf irgendeine Art und Weise befriedigend mit anzusehen, wie eine Truppe junger Leute den allseits verhassten Radarfallen ein Schnippchen schlägt, ohne sich über Ordnungsgelder und die Punkte in Flensburg einen Kopf zu machen.
Ausstrahlung am 08.06.2008 um 14:20 Uhr auf ProSieben
Autor: Gerd Hilber/teleschau - der mediendienst
Bilder:
ProSieben / Constantin Film
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