Anatole Taubman: "Wie ein Joghurt ..."

(tsch) Beinahe wäre er "implodiert" - so sagte es der Schweizer Anatole Taubman einer großen Boulevardzeitung, als er erfuhr, dass er einer der Bösewichte im neuen James-Bond-Film "Quantum of Solace" (etwa: "Ein wenig Trost") werden solle, "da es unerwartet kam". Er ein Gegenspieler des großen 007, des Top-Agenten Ihrer Majestät! - Im Gespräch macht Taubman die Sache gleich ein wenig kleiner, rückt sie zurecht: "Ich bin der Kleinere von zwei französischen Bösewichten", sagt er, "zusammen mit Mathieu Almaric" spiele ich ein Gangsterpärchen, wir sind Cousins - er ist der Wichtige, ich bin der etwas durchgebrannte Größenwahnsinnige. Wir spielen uns als eine Art 'Odd Couple' wie Walter Matthau und Jack Lemmon die Bälle zu."

Na schön - drunter geht's wohl nicht? - Doch, geht: Ab Donnerstag, 8. Mai, ist Taubman beispielsweise in der neuen "Pater Castelli"-Reihe im ZDF zu sehen, in einem geistlichen Krimi, in dem Francis Fulton-Smith als "Sonderbeauftragter des Papstes" in allerlei mysteriösen (und ein wenig hanebüchenen) Fällen ermittelt. Taubman gibt dort mit viel Lust auf Verkleidung - Schiebermütze, Dreitagebart, Lupe auf der Stirn - den viel wissenden Forensiker und Gerichtsmediziner, der vom Rande her den Ermittlungen auf die Sprünge hilft.

Wer glaubt, der in Zürich geborene, in Berlin lebende Schauspieler würde eine Rolle wie diese verstecken, geht ziemlich fehl. Im Gegenteil: Taubman schwärmt von den Dreharbeiten in höchsten Tönen, überschlägt sich im Lobe des Partners Fulton-Smith. Begeistert berichtet er etwa von jener Szene, in der er Fulton-Smith eine Taschenlampe zuwerfen musste. "Der fing sie mit einer Hand - und wirbelte sie durch die Luft, weil ich sie ihm leider falsch rum zugeworfen hatte!" Eine Actionszene, als wäre sie von Bond.

Mehr als 50 Filme hat der am 23. Dezember 1971 als Sohn eines aus Königsberg stammenden deutsch-jüdischen Vaters (die Mutter ist Wienerin) gedreht. Taubman spricht vier Sprachen, Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch. Nimmt man das Schwyzerdütsch noch hinzu werden es bereits fünf - eine leichte Dialektfärbung mit einem etwas krachenden Zäpfchen-"r" macht Taubmans Aussprache jedenfalls charmant. Längst hat er sich zu einem der gefragtesten Schweizer Schauspieler im Ausland gemausert. Er werde, so sagt er, nie "als Engländer", als "Deutscher" oder "Franzose" engagiert, sondern als Europäer. Der Mann mit einem britischen und einem Schweizer Pass zieht einen etwas kuriosen Vergleich: Es sei so wie mit dem Joghurt bei ihm - das werde als Marke ja auch in verschiedenen europäischen Ländern gekauft.

Taubman hat die bei Schweizern mitunter anzutreffende Gabe, ohne merkliche Anstrengung humorvoll zu sein, sozusagen naturgegeben. Man gewinnt bei dem hochgewachsenen 1,84-Meter-Mann, dessen Geheimratsecken bedrohlich nach oben wachsen (und ihm so einen leicht diabolischen Ausdruck verleihen) zweifellos die Erkenntnis, dass ihm die Welt gefällt.

Das war vielleicht nicht immer so: Die Eltern, mit denen er aus England früh - mit fünf Jahren - in die Schweiz umgezogen war, trennten sich 1976. Der Vater starb 1981. Martin Hugo Taubmann war vor dem Krieg bei den Berliner Philharmonikern Geiger, er floh 1934 ins Londoner Exil, diente dort beim Militär unter General Montgomery und kämpfte gegen Rommel und die Deutschen

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