"American Beauty" - Auf der Suche nach Schönheit

(tsch) Lester Burnhams (Kevin Spacey) Leben ist zum Kotzen. Er hasst seinen Job als Versicherungsvertreter, seine pedantische Frau Carolyn (Annette Bening) und seine aufsässige Tochter Jane (Thora Birch). Der Höhepunkt seines traurigen Daseins: die allmorgendliche Dusche, bei der er sich einen runterholt. Doch der Nachbarsjunge Rick (Wes Bentley) öffnet ihm die Augen - notfalls mit einer gehörigen Portion Marihuana. kabel eins zeigt in der gleichnamigen Reihe nun abermals einen der wirklich "besten Filme aller Zeiten": "American Beauty" (1999).

Der Titel verweist bereits auf das eigentliche Thema des Films: Für alle Protagonisten ist die Suche nach der Schönheit des Lebens der maßgebliche Antrieb. Doch Schönheit hat in "American Beauty" viele Facetten. Für die sexuell frustrierte Carolyn besteht sie darin, sich mit Hilfe von Rosensträuchern und Designer-Sofas eine sterile Vorstadt-Idylle zurechtzuzimmern, die ihre bröckelnde Ehe verdecken soll. Lester - der ewige Versager, vor dem nicht einmal mehr seine pubertierende Tochter Jane Respekt hat - flüchtet sich vor der Verantwortung in die Liebe zur minderjährigen Angela (Mena Suvari, am 12. Mai erschien der Direct-to-DVD-Horrorstreifen "Day of the Dead" mit ihr in der Hauptrolle). Doch die blonde Lolita hasst nichts so sehr wie Gewöhnlichkeit.

Regisseur Sam Mendes ("Jarhead") scheut sich ganz bewusst nicht davor, seine Figuren gnadenlos zu überzeichnen - wenn es sein muss, bis hin zur Klischeehaftigkeit. Neben dem frühreifen Früchtchen und der aufsässigen Teenie-Tochter gibt es auch noch den stocksteifen Ex-Marine Frank Fitts (Chris Cooper) und seinen Sohn Ricky (Wes Bentley), eine Art Vorstadt-James-Dean, der die Schönheit seiner Umwelt mit der Videokamera einzufangen versucht.

Lesters Verwandlung vom namenlosen Angestellten zum kiffenden, Pink Floyd hörenden Revoluzzer ist nur auf den ersten Blick lächerlich. Ebenso seine Liebe zu Angela, der Schulfreundin seiner Tochter. Das Lachen bleibt dem Zuschauer immer dann im Hals stecken, wenn der Regisseur die amerikanischen Mythen gnadenlos seziert, um den dahinter verborgenen Alltags-Horror freizulegen.

Mendes hätte es dabei bewenden lassen können. Auch als bloße Satire auf die Lebenslügen des amerikanischen Mittelstands funktioniert "American Beauty" hervorragend. Dass der fünffach Oscar-prämierte Film mehr ist, nämlich nach der Möglichkeit des Schönen im Alltäglichen fragt, macht seine besondere Klasse aus. Am Schluss hat auch Lester Burnham die Lektion gelernt: "Ich sollte aufhören zu versuchen, die Schönheit festzuhalten. Dann durchfließt sie mich wie Regen", stellt er fest. Burnham bezahlt diese Einsicht mit dem Leben.
Ausstrahlung am 28.05.2008 um 20:15 Uhr auf kabel eins Autor: Gerd Hilber/teleschau - der mediendienst
Bilder: kabel eins / DreamWorks

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