Und weil es mir am Strand zu langweilig war, ging ich - es kostete ja nur 20 Pfennig - ins Kino. Die zeigten damals sämtliche "Winnetou"-Filme, darunter eben auch "Unter Geiern" mit diesem coolen jungen Cowboy, der irgendwie alles konnte, zaubern, reiten, Stunts. Der hat mich unglaublich beeindruckt. Das erzählte ich meinem Papa, der mich daraufhin in einen Film, der erst ab 16 war, unter einer Decke reinschmuggelte. Das fand ich natürlich ganz toll, dann aber ganz schnell langweilig. Gezeigt wurde so eine Art Kammerspiel mit fünf erwachsenen Menschen, die in Frankfurt am Main in einem Aufzug stecken bleiben.

teleschau: "Abwärts" ...

Scheer: Ja. Oh Mann. War das langweilig für mich. Ich quengelte herum, bis mir mein Papa erklärte, dass der Typ mit dem Schnauzer derselbe Typ war, den ich am Nachmittag im "Winnetou"-Film so bewundert hatte. Ich verstand überhaupt nichts. "Einmal reitet er auf einem Gaul durch die Prärie, ein anderes Mal macht er in einem Aufzug mit der Sekretärin rum! Das ist sein Beruf, der ist Schauspieler, der spielt in Filmen mit". Da machte es bei mir Klick, und ich wusste, dass ich genau das auch machen will.

teleschau: Und jetzt spielen Sie Seite an Seite mit Götz George. Klar, dass das etwas Besonderes sein muss.

Scheer: In "Meine fremde Tochter" gibt es eine Szene, da sitzen wir als Vater und Sohn zusammen im Kino, und da hat sich auf wunderbare Weise ein Kreis für mich geschlossen. Verrückt, oder?

teleschau: Es ohne Abitur, ohne Studium, ohne Schauspielschule so weit zu bringen, ist ungewöhnlich. Bereuten Sie es je, diesen Weg eingeschlagen zu haben?

Scheer: Die Bretter waren mein Studium. Und Leander Haußmann hat mir den Weg gewiesen, als er 1999 sagte: "Komm zu mir ans Schauspielhaus Bochum!"

teleschau: So ungezwungen funktionieren Sie?

Scheer: Na klar. Das hat damit zu tun, dass ich zur letzten Ostler-Generation gehöre. Wir hatten als Jugendliche noch voll die DDR mitbekommen, und dann ging's mit 14 auf einmal richtig ab. Berlin war die aufregendste Stadt dieses Planeten. Musik, Filme, Volksbühne, Drogen, Technopartys und wir mittendrin. Da spielte Schule eher keine Rolle mehr, war irgendwie unglaubwürdig geworden, die Lehrer mussten von heute auf morgen was anderes erzählen. Damals sind alle Jungs aus meinem Jahrgang geschlossen sitzen geblieben. Ich hörte nach der elften Klasse auf. Warum Schule, dachte ich mir, es ist doch auch so alles möglich. Ich bin eben ein Macher, bloß keine Theorie!

teleschau: Muss man für diesen Weg nicht auch ein bisschen verrückt sein?

Scheer: Unbedingt

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