Alexander Scheer: Ganz cool und ein bisschen verrückt

(tsch) "Keene Angst", muntert Alexander Scheer einen durchs Telefon vorsorglich auf, "der Frühling kommt. Allet wird juht!" Der Schauspieler lässt seiner herrlich schnoddrigen Berliner Lebensfreude von Anfang an freien Lauf. Von Allüren keine Spur. Bei dem 1976 in Ost-Berlin geborenen Autodidakten, der nie eine Schauspielschule besuchte, kommt nicht im Ansatz etwas Verstelltes, Statisches rüber, sondern nur eines: ein echter Typ mit Berliner Schnauze. Den muss man nehmen, wie er ist, und alles ist gut. Dachte sich wohl auch Götz George, mit dem der Jungstar, dessen Stern 1999 in "Sonnenallee" aufging, nun schon zum zweiten Mal nach "Viktor Vogel - Commercial Man" (2000) drehte. In "Meine fremde Tochter" (Mittwoch, 28.05., 20.15 Uhr, ARD) spielen die beiden Vater und Sohn. Alexander Scheer spricht inzwischen sogar von einer Freundschaft, die ihn mit dem Altmeister verbindet.

teleschau: Es hält sich das Gerücht, Sie hätten vor Jahren Ihren Fernseher verschenkt. Haben Sie wirklich keinen?

Alexander Scheer: Nein.

teleschau: Ach, kommen Sie!

Scheer: Ich habe einen Beamer und eine DVD-Anlage, um mir gute Filme oder Musik reinzuziehen. Aber Fernsehen ist nicht.

teleschau: Kategorisch?

Scheer: Ja. Wenn ich mal irgendwo im Hotel bin und dann doch aus Langeweile einschalte, brauche ich keine Minute, um zu sehen: Es ist alles noch viel schlimmer geworden! Nach fünf Minuten bin ich dann schon wieder so abhängig, dass ich stundenlang davor sitze. Von so viel Quatsch auch noch süchtig werden - das muss ich nicht haben!

teleschau: Dabei sind Sie für Ihre Verhältnisse gerade ziemlich präsent im TV. Die Ausstrahlung des viel diskutierten Films "Brennendes Herz" liegt noch nicht lange zurück. Sie spielten einen Neonazi ...

Scheer: Naja, es war eher kein politischer Film, sondern eine Liebesgeschichte mit einer ausgefuchsten Dramaturgie. Die Presse war sehr ordentlich, und meine Freunde fanden die Leistung des Hauptdarstellers ziemlich gut (lacht). Also eigentlich darf ich nichts Schlechtes übers Fernsehen sagen: Ich bekam nach dieser Ausstrahlung innerhalb einer Woche sechs Rollenangebote.

teleschau: Es scheint aber, dass Sie sehr viele Anfragen ablehnen. Man sieht Sie äußerst selten auf der Mattscheibe.

Scheer: Stimmt schon. Ich habe die letzten sieben Jahre einfach so viel Theater gespielt, dass ich für Film und Fernsehen fast keine Zeit hatte. Diese Jahre waren mir wichtig, weil ich mein Handwerkszeug richtig lernen wollte. Ich besuchte ja nie eine Schauspielschule.

teleschau: War das Theater eine gute Schule?

Scheer: Absolut. Ich habe jetzt ein paar Sachen drauf, die andere nicht können, und mir kann jetzt keiner mehr an den Karren pissen, von wegen keine Ausbildung und so. Ich hab's am Theater auch ziemlich weit gebracht ... Oh Mann, das klingt jetzt alles voll nach Eigenlob, oder?

teleschau: Ach, wer mit 28 Jahren den Othello am Schauspielhaus Hamburg gespielt hat und so viel Kritikerlob und auch Preise bekommt, darf sich hier ruhig mal auf die eigene Schulter klopfen ...

Scheer: Ich bin nicht schlecht, sagen wir's mal so (lacht). Aber jetzt reicht's erst mal. Auch weil ich merke, wenn man Theater so richtig, mit Leib und Seele macht, dann kann man eigentlich nie wieder etwas anderes machen, das nimmt einen ein. Also ziehe ich im Sommer einen Schlussstrich und drehe wieder mehr

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