Endstation Praktikum Jugend ohne Perspektive

"Kind, lern' was, dann bist du was!" - ein häufig bemühter Satz der Eltern. Doch mit Lernen allein ist es nicht mehr getan. Zusätzlich zu Auslandsaufenthalten rund um den Globus, vier Fremdsprachen und einem Mindestalter von 26 Jahren sollte es noch ein Praktikum sein. Festanstellungen sind heutzutage Mangelware. In dem ARTE-Themenabend "Endstation Praktikum" machen Dauer-Hiwis, die aus Angst vor verspielten Chancen sonst den Mund halten, nun in zwei hochaktuellen Dokumentationen ihrem Ärger Luft.

Eine Umfrage der Internet-Jobbörse Step-Stone ergab, dass 97 Prozent der Praktikanten sich als billige Arbeitskraft ausgenutzt fühlen. Zu Recht: Für etwa 300 Euro monatlich, die bereits unter die Kategorie "großzügig" fallen, in den meisten Fällen aber für umsonst, ersetzen Praktikanten teure Festangestellte. Auch zählen nicht mehr nur orientierungslose Schüler und Studenten zur Schar der Billigstlöhner. Längst gehört die befristete Beschäftigung von Universitätsabgängern zum ganz normalen Procedere nach dem Hochschulabschluss. So ungerecht die Bezahlung, so unfair die Bedingungen - die Praktikanten halten in der Regel brav den Mund, um sich nicht diese eine vage Chance auf eine Übernahme in ein Festangestellten-Verhältnis zu verscherzen.

In Frankreich jedoch regte sich Anfang des Jahres lautstarker und rabiater Widerstand. Autos brannten, Pflastersteine flogen. Insgesamt gingen dort rund drei Millionen Menschen auf die Straße, um - letztlich erfolgreich - gegen Dominique de Villepins Arbeitsmarktreform zu protestieren. Demnach sollte Berufsanfängern in den ersten zwei Jahren ohne Angabe von Gründen gekündigt werden können. Filmemacherin Isabelle Rèbre marschierte mit und stellt in ihrem Film "Frankreichs Jugend erwacht" (21.30 Uhr) vier Revoluzzer vor, die sich auf unterschiedliche Weise gegen eine ungewisse Zukunft wehren.

Die Hochschulabsolventen in der Dokumentation um 20.40 Uhr hingegen haben sich wehrlos in ihr Schicksal gefügt, "Ewig Praktikant" zu sein: die Kulturwissenschaftlerin Pary El Qalquili (24) etwa, die ein Praktikum in der Friedrich-Ebert-Stiftung absolviert und auf eine der begehrten Traineestellen hofft. Oder Florian Lamp, der sich mit 29 noch für ein Volontariat entschied. Sigrun Matthiesen zeigt in ihrer Doku, wie sehr Beziehung, Familienleben und Selbstbewusstsein darunter leiden, wenn Menschen um die 30 sich von Praktikum zu Praktikum hangeln müssen - unter anderem auch ein Thema in der anschließenden Expertenrunde (22.15 Uhr).

Dienstag - 26.09.2006 - ARTE: 20.40 Uhr

Autor: Nina Hortig/teleschau - der mediendienst
Bilder: ZDF / Sigrun

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