Mode und IronieEs gibt einen alten Text von euch: "Was Mode diktiert/wird zu Tode konsumiert./So verliert ja leider jede Kleider-Fashion/ihre Exklusivität schon nach zwei,
drei Wäschen." Trotzdem nehmt ihr an einem Modeshooting teil ...Boris: Das ist ja kein Widerspruch. Es kommt darauf an, wie ernst man Mode nimmt. Was mich nervt, ist dieser Lifestyle-Faschismus, der immer mehr um sich greift. Wo gesagt wird, wer was zu tragen hat und was up to date ist. Wir haben das große Glück, von Modefirmen mit Klamotten zugeschissen zu werden. Wir müssen nicht einmal mehr dafür bezahlen, dass wir gut angezogen durch die Gegend laufen. Das ist toll für uns, aber im Grunde ein Skandal ...
Überlegt ihr euch denn vor einem Auftritt, was ihr anzieht?Boris: Wir überlegen uns das schon, damit wir aussehen wie eine Band und nicht wie drei Typen, die gerade von zu Hause angereist sind.
Björn: Die Leute, die ins Konzert kommen, erwarten ja auch eine Show, und zu einer Show gehört, dass man versucht, gut auszusehen.
Martin: Das ist wie ein unausgesprochener Pakt mit dem Publikum: Wir wissen, was hier passiert, und ihr wisst das auch. Ironie ist wichtig. Man weiß, dass das ein derber Showeffekt ist, eine Inszenierung.
Warum gibt es im HipHop diese Art von Selbstironie so selten?Björn: Rapmusik lässt keine Schwächen zu. Dabei ist es unheimlich lustig, mit Angeber-Klischees zu spielen. Man muss halt mit einem Augenzwinkern sagen: Ich bin der Größte.
Martin: HipHop unterstützt diese ganzen prähistorischen Verhaltensmuster. Es geht darum, den Platzhirsch zu spielen, Frauen zu besitzen. Das sind Verhaltensmuster, die ich uninteressant finde, weil ich Männlichkeit anders verstehe.
Boris: Ich glaube, da steckt eine tiefe Verunsicherung dahinter. Wenn du unter einem Minderwertigkeitsgefühl leidest, dann kannst du dich nicht über dich selbst lustig machen.
Politik und Analsex Vermisst ihr eine Auseinandersetzung mit politischen Themen im deutschen HipHop?Boris: Ich vermisse überhaupt eine Auseinandersetzung mit irgendwelchen Themen im deutschen HipHop.
Manche Rapper setzen sich immerhin mit Analsex und gut gefüllten Bankkonten auseinander ...Martin: Wir wissen schon alles über Analsex, das interessiert uns nicht mehr, was die Kollegen da erzählen.
Boris: Andere Leute singen halt andere Sachen. Aber als Fan kann einen das manchmal fuchsteufelswild machen, wenn nur noch die Dumpfnasen das Sagen haben
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