Max von Thun: Trennkost mit Hindernissen
Dünn ist er, ein wenig blass auch um die Nase, wie er da in sein Schwabinger Stammcafé hineinschneit, und unrasiert. Doch sorgen muss man sich um Max von Thun nicht wirklich. Der Schlankheitswahn hat Methode: Der 32-Jährige hungert sich gerade für eine Junkie-Rolle im Hans-W.-Geißendörfer-Drama "Schwarzer Strand" runter. "Ein sehr schönes Liebesdrama in einem kaputten Umfeld", sagt der Schauspieler, Musiker und Ex-MTV-Moderator über den Film, der 2010 ins Kino kommt: "Nichts für schwache Gemüter." Trennkost lautet derzeit von Thuns Zauberwort in Ernährungsfragen, und irgendwie passt das übertragen auch ganz gut auf seine Rollenwahl. Sein Auftritt als Weihnachtsengel Uriel in der SAT.1-Komödie "Engel sucht Liebe" (Di., 01.12., 20.15 Uhr) ist jedenfalls ganz anderer Art.
teleschau: Sie bereiten sich gerade auf eine Junkie-Rolle vor. Wenn man Sie so ansieht, tun Sie das sehr gewissenhaft.
Max von Thun: Ich hab' im letzten Monat acht Kilo abgenommen. Aber da geht

noch mehr. Ich will, dass überall die Knochen rauskommen.
teleschau: So wie bei Christian Bale ...
von Thun: ... in "The Machinist"? Nein, was der mit Hilfe von vier Ärzten seinem Körper antat, geht mir dann doch zu weit. Ein halbes Jahr später war er wieder zum Batman aufgepumpt. Das kann nicht gesund sein. Außerdem stimmt es ja eigentlich gar nicht, dass Junkies so dünn sind. Aber im Film wirkt's dann irgendwie ... drogiger.
teleschau: Sie sammeln gerade einschlägige Erfahrungen. Sie machen eine Art Praktikum?
von Thun: Ich arbeite seit zweieinhalb Wochen jeden Tag bei der Drogenanlaufstelle hier in München. Ich helfe in der Küche, bin für die Kaffeekasse zuständig, solche Dinge. Vor allem komme ich mit Junkies und Menschen in Methadonprogrammen in Kontakt, was für m

eine Rolle und mich persönlich sehr lehrreich ist. Gestern war Hepatitis-C-Vortrag. Freitag ist Erste-Hilfe-Kurs für Überdosisnotfälle.
teleschau: Gehen Ihnen die Junkie-Schicksale dort nahe?
von Thun: Absolut. Diese Erfahrungen bleiben einem nicht in den Klamotten stecken, die nimmt man mit nach Hause. Die meisten hatten eine kaputte Kindheit, haben zig kalte Entzüge hinter sich und stecken in diesem Teufelskreis, immer Geld für den nächsten Schuss zu brauchen ... (Zur Bedienung) 'Tschuldigung, gibt's noch Rühreier? Nein? Ich brauch' irgendwas Trennkostiges. Auch nicht? ... Dann nur den Tee, danke.
teleschau: Ihre Opferbereitschaft ist bewundernswert. Sind Sie jetzt wild entschlossen, sich weiter im ernsten Fach zu etablieren?
von Thun: Ich spielte ja durchaus schon er

nste Stoffe. Aber klar: Eine solche Rolle, die mich so vielfältig fordert, bekomme ich nicht jeden Tag angeboten. Trotzdem habe ich genau so viel Spaß, eine gute Komödie zu drehen.
teleschau: Den Eindruck hat man tatsächlich, wenn man Sie als Weihnachtsengel in "Engel sucht Liebe" sieht - ein eher leichter Stoff ...
von Thun: Ich bin sehr dankbar, dass mir diese Rollenvielfalt angeboten wird. Ich finde, man kann diesen Spagat zwischen anspruchsvollen und kommerziellen Rollen bewältigen, ohne sich künstlerisch zu verraten. Der "Engel" kam gerade recht, ich bin ja auch Onkel ...
teleschau: Patenonkel?
von Thun: Leiblicher Onkel, das reicht ja erst mal
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