"Lieber Michael, schau doch bitte hierher!": Die Glücksfabrikanten Marianne und Michael drehen ihre Weihnachtsshow

Die Sonne strahlt vom blitzeblauen Himmel über der Ellmauer Alm, es ist so warm, dass kaum jemand eine Jacke trägt - und Marianne und Michael feiern Weihnachten. Wie jedes Jahr im Oktober. Schuld ist der Terminkalender, ihr eigener vor allem, aber auch der ihrer Gäste. Auf die profitablen Weihnachtstourneen will keiner von ihnen verzichten. Da fällt es schon um einiges leichter, die Aufzeichnung von "Weihnachten mit Marianne und Michael" (Sendung: 24.12., 20.15 Uhr) um zwei Monate vorzuverlegen. Seit 1995 garantiert die Sendung dem ZDF alljährlich am Heiligabend Traumquoten. Im März, als noch Schnee lag, wurden bereits die ersten Außenaufnahmen gemacht. Jetzt waren fünf weitere Drehtage für die Bilder vorm Kamin, mit festlich geschmücktem Weihnachtsbaum in der Hütte, angesetzt.

Dem Publikum macht die fabrizierte Weihnacht nichts aus. Georg Fischaleck etwa, der in einer Pause vor dem Häuschen, in dem gedreht wird, die Sonne genießt, ist schon zum dritten Mal hier. Als Komparse verdient er nichts, aber er wäre sogar dann noch hier, wenn es Geld kosten würde. Ihm macht die Show jedes Jahr aufs Neue Spaß.

Die Gäste, klar, die sind interessant, dieses Jahr haben sich unter anderem Karel Gott, Mara Kayser und die Jungen Zillertaler angesagt. Aber wegen denen ist er nicht hier. Der Frührentner will Marianne und Michael sehen, "weil die so natürlich sind". Fischaleck rührt in seinem Komparsenkaffeebecher, als er erzählt: "Manchmal kann man abends auch noch im Hotel mit ihnen zusammen sitzen", das sei besonders nett, "weil sie's von hier nicht weit zu ihrem Haus haben, St. Johann ist ja ganz in der Nähe". Doch dann kann Fischaleck nicht weiterreden, ein stilles Lächeln überzieht sein Gesicht: Marianne ist da.

Marianne Hartl läuft zielstrebig auf die Gruppe zu, die vor dem Haus schon auf sie wartet, begrüßt Mitarbeiter und Fotografen, die zum Pressetermin gekommen sind, gleichermaßen mit Namen, hat für jeden ein Lächeln übrig, fragt nach dem Befinden und schwärmt von der herrlichen Landschaft hier. Kurz nach ihr kommt auch Michael an, der ein paar joviale Scherze macht, bevor es an die Arbeit geht.

Im Umgang mit anderen bewegen sich die beiden irgendwo zwischen freundlicher Professionalität und professioneller Freundlichkeit. Noch ein paar Fotos dort drüben auf der Wiese? Ja, warum denn nicht. "Das dauert doch wieder eine Viertelstunde", protestiert der Pressebetreuer vom ZDF. "Aber nein, wir machen das ganz schnell", Michael winkt begütigend ab. "Jeder kriegt drei Bilder, dann ist Schluss." Am Ende kriegen die Fotografen wesentlich mehr als drei Bilder, und ganz schnell geht es auch nicht. Aber dafür fliegen ihnen die Herzen der Fotografen zu; mit ihnen wird anders gesprochen als mit den übrigen Motiven: "Lieber Michael, schau doch bitte noch einmal hierher!", ruft einer ungewohnt zahm aus der hektisch blitzenden, klickenden, miteinander rangelnden Menge.

Bis jetzt waren die Fotografen ziemlich schlecht gelaunt, denn die Vermarktung der friedlich-freundlichen Gemütlichkeit ist streng durchorganisiert. In vier Gruppen wurden die knapp 30 Fotografen an ihren Motiven vorbeigeschleust, und natürlich ist jedes zugeteilte Zeitkontingent viel zu kurz. Der Weg zu den besten Bildern führt also über Rangeln, Schubsen und Fluchen

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