John Cusack: "Ich bin einer, der das hinbekommt"

Roland Emmerich drehte "Independence Day" und "The Day After Tomorrow". Der deutsche Regisseur und Katastrophenprofi weiß, dass er sich steigern muss. Warum sich also in Andeutungen ergehen? Diesmal lässt er die Welt untergehen, nicht ohne in seinem neuen Werk "2012" (Kinostart: 12.11.) moralische Fragen zu stellen. Gleicher Natur sind auch die Gedanken, die sich Emmerichs Hauptdarsteller John Cusack über das Business macht. Er ergeht sich hingegen durchaus in Andeutungen und scheint sich nicht richtig wohl zu fühlen in der Rolle, für die ihn der deutsche Regisseur auswählte.

Gleichwohl weiß Cusack, dass es ein Geschenk ist. Ein großartiges Rollenangebot, für das er einmal um die Welt reisen muss. Denn natürlich ist der Film über den Untergang der Welt ein Ereignis, das rund um den Globus Aufmerksamkeit will. Also macht der Schauspieler kurz Station in Berlin, morgen wird er in Seoul sein, drei Tage Asien folgen, dann zurück nach Amerika, und noch einmal nach Deutschland. Er wirkt, als wolle er dem Reiseplaner zumindest ein blaues Auge verpassen, doch dafür ist er heute zu schwach.

Weltstar Cusack sitzt zusammengekauert auf seinem Stuhl in ungefähr der gleichen freudigen Erwartung wie im Vorzimmer des Zahnarztes. Wenn er spricht, tut er das mit Blick auf den Tisch und so leise, dass man ihn kaum versteht.

Ob er genug Geld habe, um gerettet zu werden, verneint er und schickt ein gehauchtes Lachen hinterher. Gerettet werden in "2012" vor allem die wirklich Reichen. Wobei ihm die Vorstellung gefallen könnte: "Mit den richtigen Leuten neu anfangen", das wäre ein Abenteuer. Doch heute will er nicht träumen. Der Sohn eines Schauspielers kehrt schnell zurück zu dem Thema, das das Gespräch bestimmen soll: Geld.

Er verkaufte sich in der Vergangenheit als integrer Schauspieler, der nie nur an der Oberfläche kratzen wollte, dem die Rollen nicht anspruchsvoll genug sein konnten und fühlt sich nun gezwungen, sich zu rechtfertigen. Mit "Being John Malkovich", "High Fidelity" und "Identität" sind Cusacks Highlights der letzten zehn Jahre aufgezählt. Oft spielte er romantische Komödien, jetzt ist er der Held wider Willen des größten Desasters, das die Erde je erlebt hat. Der 43-Jährige sucht nach Gründen: "Ein konfliktfreies Leben macht mir mehr Spaß", sagt er, lacht kurz und sagt "Nein", als wolle er seinen Witz wieder zurücknehmen.

"Es hat sich was verändert", setzt er an. "In der Filmbranche ging es mal individualisierter zu, es war nicht alles eins wie heute. Trotzdem bleibt es auch irgendwie gleich, denn die Menschen, die bestimmen, sind die gleichen seit vielen Jahren. Die schauen sich die Liste an, wer wie viel eingespielt hat. Und dann geht man von oben", er hebt seine Hand, "nach unten - und wählt aus." Er senkt seine Hand. "Ein Film wie '2012' spielt sehr viel Geld ein. Und für einen so großen Film ist er wirklich gut gemacht", nickt er.

"Eine dunkle Seite hat er auch. Nämlich den fehlenden Optimismus, was unsere Zukunft angeht. Aber immerhin gibt es Hoffnung für die Menschlichkeit. Roland Emmerich steht durchaus für Punk Rock

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