Heinz Schenk: "Isch kann so net abbeide"

Vor Heimspielen der Frankfurter Eintracht weht es immer noch durchs weite Rund: "Unser David Bowie heißt Heinz Schenk". Die Zeile stammt aus der inoffiziellen Landeshymne "Die Hesse komme" der Band Rodgau Monotones. Auch wenn Leben und Werk des 1924 in Mainz geborenen Showmasters, Sängers und Schauspielers auf den ersten Blick nicht ganz so schillernd daherkommen wie die Vita des englischen Pop-Superhelden - Heinz Schenk bleibt ein bemerkenswert skurriler Findling deutscher Fernsehunterhaltung. Am 11. Dezember wird die heute zurückgezogen in Wiesbaden lebende Show-Legende 85 Jahre alt.

Früher schauten bis zu 20 Millionen Menschen zu, wenn "Oberkellner" Heinz Schenk zwischen 1966 und 1987 in die TV-Wirtschaft "Zum Blauen Bock" einlud. Ein Zuschauer-Hype, der in diesem Ausmaß nie mehr zu erleben sein wird. Obwohl der gelernte Teppichverkäufer, Schauspieler (Privatunterricht) und Büttenredner (Debüt mit 15 Jahren) eigentlich nur Gastgeber jenes deutschen Fernseh-Fossils war, drückte er der Show des Hessischen Rundfunks schnell sein Markenzeichen auf: die furchtlose Vielseitigkeit.

Zwischen den Stars aus Schlager, Volksmusik und Operette (ja, auch die gab es im Fernsehen), sang Schenk mit mutig untalentierter Stimme seine selbst getexteten Schlager, führte trockene Sketche oder gallig-spröde Standup-Nummern auf, parlierte dazu mit den örtlichen Honoratioren im Publikum. Von denen gab es stets eine Menge, denn viele hessische Gemeinden trieben den Bau ihrer Mehrzweckhalle extra deshalb schnell voran, damit eines nahen Tages Heinz Schenks TV-Glitzerwelt vorbeischauen möge. "Der Blaue Bock" - damals ein revolutionär neues Fernsehkonzept - wurde "on the road" irgendwo in Hessen produziert.

Äppelwoi-selige Publikumsnähe war garantiert, der Aufzeichnungsort befand sich in wochenlangem Ausnahmezustand. Überhaupt wusste man beim "Blauen Bock" zu feiern. In den späten 60-ern und 70-ern, als das männliche Publikum einer TV-Sendung noch Hornbrille zum Anzug und Schnäpse zur ständig qualmenden Zigarette hatte, war Heinz Schenks Show Soundtrack und Grundrauschen einer konservativen Partykultur. In der wurde geklatscht und geschunkelt, vor allem aber ungesund gelebt.

Heinz Schenk, der Anfang der 50-er zuerst beim Hörfunk des HR als Moderator Fuß fasste, war einer jener Showmaster, die man sich heute nicht mehr vorstellen kann. Klein, gedrungen und mit schief grimmigem Lächeln, der Anti-Kai-Pflaume. 1996, als der betagte Fernsehmacher mit der Show "Fröhlich eingeSchenkt" ein anachronistisch-quotenstarkes Comeback feierte, nahm ihn das Magazin der "Zeit" aufs Cover unter dem Titel "Der Letzte seiner Art" ("Er macht Fernsehen von gestern, deshalb wird er so geliebt").

In der Tat erweiterte und persiflierte Schenk den Kult um seine Person bis ins fortgeschrittene Alter. 1993 mit der Rolle des schmierig-desolaten Showmasters Heinz Wäscher in der Hape Kerkeling-Kultsatire "Kein Pardon" (aus ihr stammt das berühmte Zitat "Ich kann so nicht arbeiten!" im schenkschen Idiom) oder auf der Bühne des Frankfurter Volkstheaters in der hessischen Adaption von Molières "Der Geizige"

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