Echter Wohlfühl-Auftritt: Ausgerechnet in Krisenzeiten steht kabel eins vor dem erfolgreichsten Jahr der Sendergeschichte

Seit der Werbemarkt einbrach, ist die Wirtschaftskrise auch eine Krise der privaten Fernsehsender. Da grenzt es an ein kleines Wunder, dass kabel eins zu den wenigen Gewinnern des Fernsehjahres 2009 zählen wird. Mit vermutlich erstmals über sechs Prozent Marktanteil steuern die Münchner auf das erfolgreichste Jahr der Sendergeschichte zu. - "Ich kann sehr ruhig schlafen zurzeit", gibt denn auch Geschäftsführer Jürgen Hörner im Interview zu verstehen. Auch wenn er sich in Bescheidenheit übt: Hörner hätte allen Grund, sich selbst ein wenig auf die Schultern zu klopfen - schließlich sitzt er seit 1. Januar 2009 im kabel eins-Chefbüro in Unterföhring. Ein recht nüchterner Arbeitsraum übrigens, eines von wenigen Accessoires ist ein gerahmtes Poster von "24"-Star Kiefer Sutherland alias Jack Bauer. Also klar, wer hier der Held ist. Und: Schon mal ein gutes Zeichen, wenn der Sender-Chef Fan seines Programmes ist ...

teleschau: Herr Hörner, viele sagen, dass das Fernsehen früher besser war. Wieso haben diese Kritiker Unrecht?

Jürgen Hörner: Weil das Fernsehen heute um ein Vielfaches vielfältiger ist!
>teleschau: Aber wohl auch beliebiger ...

Hörner: Finde ich nicht. Ich wurde groß mit "Bonanza" und "Enterprise", hatte schon als Kind eine Affinität zu amerikanischer Fiction ... Als dann ProSieben startete und endlich die Filme aus dem Kino im Fernsehen liefen, fand ich das klasse. Heute taucht praktisch die gesamte amerikanische Fiction im Programm auf. Da kann mir keiner erzählen, dass es früher besser war, als ARD und ZDF bei den "Dollar-Western" einfach mal 30 Minuten rausschnitten, weil man sie für zu lang befand

teleschau: Träumten Sie schon als Kind davon, einmal zum Fernsehen zu gehen?

Hörner: Nein, überhaupt nicht. Ich machte eine Buchhandelslehre, studierte Amerikanistik und Slawistik, wollte ins Verlagswesen. Zufällig gab es in München, wo ich studierte, Sender, die studentische Hilfskräfte benötigten ... So kam ich in den Semesterferien 1993 zu ProSieben. Wie die Zeit vergeht!

teleschau: Bei ProSieben waren Sie praktisch in allen Bereichen tätig, später übernahmen Sie Verantwortung in der Programmplanung und in der Geschäftsführung. Am 1. Januar feiern Sie Ihr "Einjähriges" als kabel eins-Geschäftsführer. Kann es sein, dass die Zeit in so einer Position noch schneller rast?

Hörner: (lacht) Absolut ja! Es ist eben ein Job, der einen nie ganz loslässt - im positiven Sinne: Ich kann sehr ruhig schlafen zurzeit. Denn es ist zwar eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, aber auch eine, die viel Spaß macht. Mit diesem tollen, überschaubaren Team von derzeit an die 50 Mitarbeitern lässt sich hier eine Menge auf die Beine stellen.

teleschau: Ist es nur ein Klischee, dass der Tag eines Senderchefs mit dem Blick auf die Quoten beginnt?

Hörner: Nein, es ist wirklich so. Seit ich Geschäftsführer bei kabel eins bin, stehe ich morgens noch früher auf, so zwischen 6 und 7 Uhr, trinke Kaffee und lese die Zeitung. Gegen 8.30 Uhr werden dann die Quoten übermittelt. Kommt die Meldung mal nicht rechtzeitig, dann ist das, vorsichtig gesagt, nicht förderlich für meine Tageslaune ...

teleschau: Endlich mal ein Senderchef, der zugibt, dass die Quote sein Ein und Alles ist!

Hörner: (lacht) Nein, nein. Ich will nicht sagen, dass die Quote das Maß aller Dinge ist, eher ist es so, dass sich der allmorgendliche Blick darauf bei mir ritualisiert hat

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