Ungerecht ist das aber schon. Denn längst ist der grenzenübergreifende Kulturkanal den bequemen Kinderschuhen entwachsen. Längst ist er weit mehr als ein dezent belächeltes "Wiederholungsprogramm", al

s das er einst galt. 3sat hat spannende Wissens- und Kulturmagazine, von der täglichen "Kulturzeit" bis zum respektablen "nano"-Wissenschaftsmagazin.
"Jeder Sender braucht Formate, in denen sich sein Selbstverständnis ausdrückt, und das ist bei 3sat die 'Kulturzeit", sagt 3sat-Geschäftsführer Gottfried Langenstein über das tägliche 3sat-Feuilleton. Nicht zu reden von all den Thementagen und inzwischen sogar -wochen, die den besonderen Blick auf sonst Verstreutes lenken. - Dass man Themenabende allein mit der reicheren Schwester ARTE assoziiert, ist also eine himmelschreiende Ungerechtigkeit.
3sat - das ist für viele vor allem der live übertragene Ingeborg-Bachmann-Preis aus Klagenfurt, ist Berliner Theatertreffen ("Starke Stücke"), Baden-Badener Fernsehfilm-Fes

tival ("3sat-Zuschauerpreis"). Das sind Langzeitsendungen, in denen man beispielsweise - wohlgemerkt von der im Dokumentarischen immer schon besonders emsigen Schweiz beliefert - ganze Tage in der Eigernordwand hängen kann oder sich im 24-Stunden-Rhythmus über das wahre Leben auf einem Bauernhof belehren lässt (allen späteren Reality-Soaps wolkenkratzermäßig überlegen!). Es gäbe kaum noch eine Live-Übertragung von einem Klassik-Festival - von Salzburg bis Schleswig-Holstein -, wenn wir 3sat nicht hätten.
So gesehen kommen einem die vielen Themenwochen und -tage (schon der Begriff hat etwas Schulmeisterliches, weil er ja an vergangene Schulaufsätze gemahnt) leider etwas beschwerlich vor, mag der 3sat-Chef Gottfried Langenstein auch noch so sehr auf sie schwören. (Die Themenwochen begannen mit Kant zu dessen 200. Todestag 2004. Die Zuschauer stiegen damals immerhin von 40.000 bei philosophischen Einzelsendungen auf 400.000.)

Dennoch: In der Live-Übertagung liegt wohl die eigentliche Würze eines Kulturkanals. Wenn es 3sat nicht macht, diese kulturbeflissene Fernseh-Eidgenossenschaft, wer dann?
Blickt man ins Programm der nächsten Monate oder auch nur Wochen, tut sich wieder einmal eine wahre Wundertüte auf. Es könnte einem beim Zuschauen dann ganz so ergehen wie dem Mädel, das im gedruckten "3sat magazin" das Programmerlebnis so beschreibt: "Man staunt, denkt nach, lacht, denkt nach, schüttelt den Kopf, denkt nach, sitzt mit offenem Mund vorm Fernseher, denkt nach. Nur eins denkt man nicht: umschalten
1
·
2
·
3