The Black Crowes: Nur die Liebe zählt

(tsch) Sieben Jahre ohne neues Album sind eine Ewigkeit im schnelllebigen Musikzirkus. Doch die Südstaaten-Rocker von The Black Crowes haben nicht nur eine individuelle Zeitrechnung, sondern auch zum Werteverfall des Kulturguts Musik eine deutliche Meinung. Die geben sie auf ihrem neuen Album "Warpaint" preis. Auch im Interview plädiert Gitarrist Rich Robinson vehement für Qualität und Ethik in der Musik.

teleschau: Nicht viele hätten darauf gewettet, dass Ihr zurückkommt. Was hat Euch dazu bewogen?

Rich Robinson: Nun, wir hatten zwischen 2002 und 2004 eine notwendige Pause eingelegt. 2005 rauften wir uns dann wieder zu ein paar Konzerten zusammen. Wir gingen aufeinander zu, wollten zusammenfinden, um schließlich wieder auf Tour zu gehen. Es dauerte eine Weile, aber das war richtig so. Jetzt haben wir tonnenweise Songs. Es herrscht eine Menge kreativer Energie.

teleschau: Mit "Freak'N'Roll" habt Ihr 2006 eine Live-DVD veröffentlicht, die Euch in hervorragender Frühform zeigt. War das die Initialzündung, um wieder ins Studio zu gehen?

Robinson: Ja. Das war gegen Ende der Tour, wir hatten in San Francisco fünf Nächte im legendären Filmore gespielt - ein Ort mit Geschichte. Am Ende hatten wir richtig Lust darauf, neue Songs einzuspielen, weil wir lange nicht mehr im Studio waren.

teleschau: Du schreibst die Songs mit Deinem Bruder Chris. An welchem Punkt habt Ihr gemerkt, dass Ihr genug Ideen für ein neues Album habt?

Robinson: Ich muss vorneweg sagen, dass wir trotz zwischenzeitlicher Soloprojekte nie aufhörten, uns auszutauschen. Musik ist unser Ding. Wir trugen diese Ideen, Riffs und Versatzstücke zusammen und arbeiteten daran. Dann stellten wir sie der Band vor. Wir wollten sehen, ob diese Ideen was taugen. Und ob wir überhaupt noch eine richtige Band sind.

teleschau: Ihr hattet ja einige Probleme in der Vergangenheit.

Robinson: Stimmt. Unser Keyboarder Ed Hawrysch (jetzt ersetzt durch Adam McDougal, Anm. d. Red.) wurde ernsthaft krank, er musste aufhören. Und Gitarrist Mark Ford verließ uns zwei Tage vor der Tour. Das warf uns aus der Bahn. Wir wollten eigentlich schon früher ins Studio, aber wir brauchten erst mal Musiker, vor allem einen dauerhaften Gitarristen. Den fanden wir in Luther Dickinson.

teleschau: Und was ist mit den alten Streitigkeiten zwischen Dir und Deinem Bruder?

Robinson: Chris und ich werden uns immer streiten und auch immer wieder verstehen. Wir sind eben Brüder. Es gab auch eine Zeit, in der wir nie einer Meinung waren. Aus irgendwelchen Gründen kamen wir nicht miteinander klar. Inzwischen verstehen wir uns besser als damals, was sicherlich auch daran liegt, dass wir beide Väter geworden sind.

teleschau: Nun erscheint "Warpaint". Der Titel wird gern als politische Kampfansage interpretiert.

Robinson: Indirekt ist es ein politisches Statement. Es geht um menschliches Bewusstsein, darum, sich klar zu machen, wohin unsere Gesellschaft führen wird

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