Thomas Fränzel: Frei bleiben ...
(tsch) Am Ende ihrer Ausbildung geben die Schauspielschüler der Hochschule Ernst Busch in Berlin eine besondere Vorstellung vor den Intendanten des Landes, und dann geht es um die Engagements. Thomas Fränzel konnte das damals, vor drei Jahren, einigermaßen gelassen angehen, denn er wusste: In drei Tagen würde er nach Bangkok fliegen und seine erste Hauptrolle in einem Film antreten. Dort tauchte er in die fremden Gassen, Geräusche und Gerüche ein - genau wie Nic, den er in Vanessa van Houtens Abschlussfilm "Haus der Wünsche" spielt. Beide geben damit nun ein viel versprechendes "Debüt im Ersten".
Der Schauspielerei näherte sich der 29-Jährige auch nicht auf direktem Wege: Es begann mit Projekten im Europäischen Kulturzentrum in Fränzels Heimatstadt Erfurt. Als Teenager wirkte er bei Lesungen m

it, zum Beispiel Heiner Müller: "Ich war 15 und hab überhaupt noch nüscht kapiert." Aber dass ihm das gefallen könnte, ahnte er. "Ich spielte auch Klavier und es gab die Überlegung, in diese Richtung weiterzumachen." So wie der Rest der Familie. Der ältere Bruder und Fränzels Vater sind Jazz-Saxofonisten.
Nach einem Volontariat beim Radio, wo Thomas Fränzel mit wohlklingender, tiefer Stimme schon zu Abiturzeiten eine eigene Sendung moderierte, wechselte er die Perspektive: "Radio war mir irgendwann zu viel Kopf, ich brauchte eine Auszeit, wollte einfach arbeiten. Irgendetwas tragen ..." Ein Freund vermittelte einen Beleuchterjob beim Film, von da ging es weiter auf eine Theatertournee als Requisiteur. "Da stand ich jeden Abend in der Gasse und konnte zuschauen. Ich war nah dran und konnte die Schauspie

ler beobachten." Nach einem gescheiterten ersten Anlauf, es selbst zu versuchen, und einem Jahr intensiver Vorbereitung und Selbstvergewisserung klopfte Fränzel erneut bei den ersten Adressen der Branche an. Ernst Busch in Berlin sagte zuerst zu. "Ich bin sehr froh, dass ich da war. Es war eine gute Zeit - aber auch sehr hart."
Danach entschied sich der Newcomer, keines der Angebote fester Engagements in einer anderen Stadt anzunehmen. "Ich wollte frei bleiben. Durch die Zeit davor, in der ich schon viel gearbeitet und eine sehr selbstständige Richtung eingeschlagen hatte, war eigentlich schon die Schulstruktur schwierig für mich. Das tut mir nicht gut." So steht er nun als Gast regelmäßig am Berliner Maxim Gorki Theater auf der Bühne, macht Hörspiele für den Deutschlandfunk, dreht Kurzfilme. "Das Mädchen mit den gelben Strümpfen" zum Beispiel reist nun nach einer Premiere in Cannes auf der Filmrolle "Next Generation" um die Welt.
Vor den unbeschäftigten Phasen des Daseins als freier Schauspieler hat Fränzel keine Angst. "Durch die Musik kann ich sie als Kreativ-Pausen nutzen, um mich wieder aufzubauen." Die Musik, das ist nicht nur "ein schöner Ausgleich, bei dem man irgendwo ganz anders ist und viel frei lassen kann." Für sein letztes Stück am Maxim Gorki Theater schrieb, spielte und sang Fränzel auch Stücke selbst. Als Bandleader würde er sich sicherlich auch gut machen. "Da bin ich dran. Ich suche gerade ..."
Für die neuen Fränzel-Fans nach Ausstrahlung von "Haus der Wünsche" hat sich die Wahrscheinlichkeit, den groß gewachsenen Mann mit den dunklen Haaren irgendwo in Berlin wieder zu erkennen, nun übrigens verdoppelt
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