Tempus Culturae extra: Ultra-retro: 3sat sendet "Kulturzeit extra" auf Latein (Sa., 23.08., 19.20 Uhr)

(tsch) "Die könnte man auch auf Latein verlesen", sagte der einstige RTL-Chef Helmut Thoma einmal über die "Tagesschau", die keine Sendung, sondern eine Gewohnheit sei. Kein ernst zu nehmender Vorschlag, sondern eher verbalisierter Frust, impliziert die Botschaft des Fernsehexperten doch: Eine Sendung auf Latein wäre das Absurdeste, das eine Rundfunkanstalt ausstrahlen könnte. Der Kultursender 3sat aber, der sich immer mal wieder den Mut zur programmgestalterischen Freiheit gönnt, wagt jetzt dieses Experiment: Im Rahmen des Thementages "Imperium Romanum" am Samstag, 23. August, wird eine komplette Ausgabe des Magazins "Kulturzeit extra" mit dem Titel "O Tempora!" auf Lateinisch mit deutschen Untertiteln ausgestrahlt (19.20 Uhr). Wie soll das gehen? Wer will das sehen und verstehen? Eine Sendung in einer fremden, noch dazu toten Sprache? - Das ist sie eben nicht, will die Sonderausgabe des täglichen Kulturmagazins nun praxisnah vermitteln.

3sat legt, getreu dem Motto des Senderverbunds "anders fernsehen", eine so progressive wie anachronistische Programmankündigung vor: eine Sendung in lateinischer Sprache mit deutschen Untertiteln. So dreist war noch nicht einmal Harald Schmidt, der vor Jahren eine komplette Ausgabe seiner Sat.1-Late-Night-Show auf Französisch durchzog.

3sat macht nun einen auf ultra-retro (von Lateinisch "ultra": "über etwas hinaus" und "retro": "rückwärts"). Tatsächlich zieht sich als thematisch roter Faden durch die Sendung: Die Sprache ist höchst lebendig - und das nicht nur an katholischen Kanzeln. "Wir fanden täglich neue Beispiele dafür", berichtet 3sat-Koordinator Daniel Fiedler. "Wir mussten schon beinahe lachen, als neulich auch Nicolas Sarkozy im Umfeld der Gründung einer Mittelmeerunion von 'mare nostrum' sprach."

Von Daniel Fiedler selbst stammt die extravagante Sendeidee. "Wir wollten uns bei der Konzeption dieses Thementages nicht darauf beschränken, Sandalen-Filme und historische Dokumentationen aneinanderzureihen", sagt er. "Das Interessante ist ja, dass von den Römern heute noch so viel geblieben ist." Vom Weinbau bis zur Wellness. "Und es ist ein absolutes Kuriosum, dass die Sprache eines Weltreiches, das vor fast 2.000 Jahren unterging, bis heute fortlebt." Bei der fernsehadäquaten Umsetzung solcher Themen, so Fiedler, sei er "ein Freund davon, es entweder spielerisch oder sehr praxisnah anzugehen".

"Kulturzeit" bot sich als seit Jahren gelerntes, tägliches Format für das Fernsehexperiment an. Ein Expertenteam um Prof. Christine Walde von der Uni Mainz arbeitet die Übersetzungen von Moderations- sowie Beitragstexten aus. Das dürfte gewisse Schwierigkeiten aufwerfen: Da es logischerweise keine akustischen Zeugnisse aus dem alten Rom gibt, ist bis heute zum Beispiel die korrekte Aussprache von "Cäsar" ungeklärt: "Zäsar" oder "Käsar"? "Die Frage war: Wie akademisch genau wollen wir das machen?", sagt Daniel Fiedler und meint gelassen: "Wir wollen nicht dem letzten Forschungsstand nacheifern. Es soll einfach verständlich sein." Die Bezeichnung von Dingen und Phänomenen, die nach der Zeit der Römer entstanden, macht weniger Probleme, als man annehmen könnte - dank des Systems, nach dem diese Sprache funktioniert: "Das Schöne am Lateinischen ist ja, dass man alles umformulieren kann. Sogar die 'Kulturzeit' können wir zu 'Tempus Culturae' machen. Auf diese Weise kommt man sehr weit."

Im Vatikan wird sich tagtäglich mit solchen Fragen beschäftigt - Latein ist schließlich offizielle Amtssprache der katholischen Kirche

1 · 2

Tageshoroskop bei Yahoo!
 
Lifestyle RSS Feed
Lifestyle auf mein Yahoo!
Die häufigsten Fragen zu RSS 
 
 
Copyright © 2008 Yahoo! Alle Rechte vorbehalten
Wir über uns - Hilfe - Jobs@Yahoo! - Yahoo! Services - Datenschutz - AGB