"Sommersturm" - Wenn die Liebe eben anders ist

(tsch) Am Anfang scheint es ein verdammt süßer Sommer zu sein, den Marco Kreuzpaintner in seiner Coming-Of-Age-Komödie-Komödie "Sommersturm" (2004) schildert. Junge Menschen, die gemeinsam im Zeltlager abhängen. Sport, Mädchen, Natur, eben das volle Programm. Diese sehr schöne, sehr angenehme Oberfläche, die zudem vor zauberhafter Naturkulisse stattfindet, nutzt Marco Kreuzpaintner, um eine bittere Geschichte zu erzählen. Es geht um die Liebe zum besten Freund, um den Strudel der Gefühle, den wohl jeder in seiner Jugend erlebt hat. Und es geht darum, anders zu sein als der große Rest.

Schon in der ersten Viertelstunde wird der ProSieben-Zuschauer, der diesen Film als Free-TV-Premiere präsentiert bekommt, an die Hand genommen und in die Gedankenwelt Tobis (Robert Stadlober) eingeführt. In seine Unsicherheit, in seine Zuneigung zu Achim (Kostja Ullmann) und in die Angst, dass sich in dieser Jungs-Freundschaft irgendetwas ändern könnte. Denn da ist auch noch Sandra (Miriam Morgenstern), Achims Freundin. Und dass Anke (Alicja Bachleda-Curus) an ihm interessiert ist, ist ja ganz schön - aber eigentlich irritiert es Tobi eher, als dass es ihm schmeichelt.

Als die Rudermannschaft, in der die vier Mitglieder sind, schließlich das heimatliche Starnberg verlässt und zu einem Wettkampf nach Norddeutschland aufbricht, wird das Dilemma, in dem sich Tobi befindet, immer offensichtlicher. Denn an dem Wettkampf nimmt auch das Team "QueerSchläger" teil, in dem ausschließlich Schwule trainieren ...

Mit seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm setzte Marco Kreuzpaintner eine eindrucksvolle Marke. Sein "Sommersturm", der über 260.000 Zuschauer in die Kinos lockte (deutlich mehr übrigens als sein Hollywood-Debüt "Trade"), schafft es, den schwierigen Themenkomplex Coming Out / Homosexualität in eine von ihrer Atmosphäre fast leicht erscheinende Komödie zu integrieren. Dass das klappt, liegt in erster Linie am völligen Verzicht auf Klischees. Die sexuelle Orientierung der Protagonisten wird zwar thematisiert, dient aber nie als Hilfsmittel für deren Charakterisierung. Stattdessen werden in klassischer Coming-Of-Age-Manier die großen Themen des Heranwachsens durchdekliniert.

Dass der Film so gut funktioniert, liegt freilich auch an der Darstellerriege. Besonders Robert Stadlober - am 3. August wird er 26 - überzeugt. Befürchtungen, er könnte mit seiner doch sehr starken Leinwandpräsenz über Gebühr dominieren, erweisen sich als haltlos. Die jugendliche Unsicherheit, die seinen Charakter auszeichnet, transportiert der Nachwuchsdarsteller wunderbar einfühlsam. Ab 9. Oktober wird er zudem in "Krabat", der Verfilmung des Kultromans von Otfried Preußler, an der Seite von David Kross und Daniel Brühl wieder im Kino zu sehen sein. Regie führt Marco Kreuzpaintner ...
Ausstrahlung am 02.08.2008 um 20:15 Uhr auf ProSieben Autor: Jochen Overbeck/teleschau - der mediendienst
Bilder: ProSieben / Marco Nagel

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