Rupert Everett: Frau zu sein, ist harte Arbeit

(tsch) Eine irgendwie ungewöhnliche Situation. Das Interview beginnt nicht. Stattdessen hantiert Rupert Everett mit einem Messer, droht immer wieder, in den Kuchen zu stechen, der vor ihm steht. Der britische Schauspieler hat heute Geburtstag und will ein Stück seiner Torte loswerden, auf die er offensichtlich ebenso wenig erpicht ist wie auf den Jahrestag selbst. Als wären wir gute Bekannte, die der Zufall zusammenführte, sitzen wir da, bis sich Everett besinnt. Er wollte ja über "Die Girls von St. Trinian" (Kinostart: 07.08.) reden, wie es dazu kam, dass er die Doppelrolle spielt: zwei Geschwister, eine ältere Dame und einen gerissenen Herren. Der ausführende Produzent ist er auch noch. Die Erklärung ist ganz einfach: "Das ist mein Film."

Rupert Everetts bekannteste Rollen waren "Die Hochzeit meines besten Freundes" mit Julia Roberts, "Ein perfekter Ehemann" und vielleicht noch "Ein Freund zum Verlieben". Da spielte Madonna mit und mit ihr ist Everett befreundet. Ganz offensichtlich war ihm vor seinem Pressetermin nach Bewegung. Er kommt wohl gerade vom Workout, jedenfalls trägt er "nur" ein Achselshirt und eine schwarze Trainingshose, dazu Laufschuhe. Der Vollbart steht ihm, sehr männlich. Er setzt sich ein Stück weg von der Air Condition.

Der 49. Geburtstag interessiert ihn nicht. "Ich war noch nie scharf auf diesen Tag", schüttelt er den Kopf und lässt sich das Messer dann doch aus der Hand nehmen, um von den Büchern zu erzählen, die die Grundlage zur Komödie waren. "Die Girls von St. Trinian" würden zwar als Cartoons gehandelt, doch sie seien viel mehr Romane mit Zeichnungen, stellt Everett klar. Der Inhalt: "Sehr aggressive Schulmädchen, die Leute umbringen." Erfunden vom Karikaturisten Ronald Searle - in den 40er-Jahren. "Bereits im Jahr 2000 hatte ich die Idee, diese Storys ins Jetzt zu transportieren. Wobei unsere Geschichte aus keinem der Bücher stammt, sondern komplett neu ist."

Mit den Regisseuren Oliver Parker und Barnaby Thompson arbeitete Everett schon einmal zusammen, Colin Firth ist ein alter Kumpel, den habe er gezwungen, mitzumachen. "Ich weiß gar nicht, ob er wollte."

Sagt er mit einem breiten Grinsen und spielt gleich den nächsten Trumpf aus. Er selbst stellt sowohl den Kunsthändler Carnaby Fritton dar, einen smarten, zwielichtigen Playboy, wie auch dessen Schwester Camilla, die Schulleiterin von St. Trinian's. Und die heißt nicht umsonst Camilla: "Der königliche Hintergrund war meine Idee. Das war so eine famose Rolle und die Herzogin von Cornwall ist so eine fantastische Schablone."

Die Herzogin, Ehefrau von Prinz Charles, bildete also die Vorlage für die kiffende Direktorin, die sich zu jedweder Uhrzeit einen Kleinen hinter die Binde kippt, im rosa Jogginganzug durch das Anwesen schlurft und niemand anderen als ihren Hund liebt. Nein, Camilla habe es nicht zur Premiere geschafft, gibt Everett auf Nachfrage zu Protokoll. Er jedenfalls ließ sich von ihr inspirieren, ihren Haaren, ihrer Kleidung, dass sie die Jagd mag und sich nicht zu fein sei, Hundekot wegzumachen, schwärmt er.

Fürderhin stand seine Mutter Pate. "Camilla und sie stammen aus einer Welt, die ausstirbt. Sie sind zäh, exzentrisch, verteidigen den rechten Flügel, heben das Empire über alles

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