Robert De Niro: Jeder Film ein neues Leben

(tsch) Er spielt in einer eigenen Klasse. Robert De Niro, der am 17. August 65 Jahre alt wird, hat die Schauspielerei zwar nicht erfunden, doch hat er sie zumindest in einem Aspekt an einen Endpunkt geführt: Nie investierte ein Darsteller unter kompletter Missachtung seiner eigenen Persönlichkeit mehr in seine Rollen, nie bereitete sich ein Darsteller gewissenhafter vor. "Es gibt nichts Schlimmeres als ein Schauspieler, dessen Ego durch seine Rolle durchschimmert." Diese Maxime hat De Niro allein schon deshalb nicht gebrochen, weil keiner das Gesicht hinter der Maske kennt.

Nur wenige Straßen voneinander entfernt wuchsen Martin Scorsese, Harvey Keitel und Robert De Niro im New Yorker Stadtviertel "Little Italy" auf. Schon ihr erster gemeinsamer Film war richtungweisend. Unter Scorseses Regie ließen Keitel und De Niro 1973 in "Mean Streets" ihren Improvisationsfähigkeiten freien Lauf. Über große Strecken von spontanen Einfällen De Niros beherrscht ist auch "Taxi Driver", das düstere Psychogramm eines Menschen auf der Suche nach Identität. Nicht grundlos manifestierte dieser Film den Mythos De Niros.

Erst kürzlich verfolgten schwedische Touristen den US-Komiker Ricky Gervais durch New York, weil sie ihn für Robert De Niro hielten."Redest du mit mir?", die berühmte Zeile aus Travis Buckles Monolog vor dem Spiegel, riefen sie ihm immer wieder in gebrochenem Englisch zu. Durch monatelange intensive Vorbereitung hatte De Niro eine nahezu komplette Identifikation mit seiner Rolle erreicht. Der Schauspieler ist somit vielleicht der kompromissloseste Anhänger des "Method Acting", das er bei Lee Strasberg in New York lernte und in jahrelanger Arbeit in Off-Theatern am Broadway perfektionierte.

Kein Wunder also, dass der Oscar nicht lange auf sich warten ließ. Für seine Verkörperung des jungen Don Vito Corleone im Mafia-Epos "Der Pate - Teil 2" wurde der New Yorker 1974 als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. "Wie ein wilder Stier" (1980), die Lebensgeschichte des Box-Profis Jake La Motta, bescherte De Niro schließlich den hochverdienten Oscar für die beste männliche Hauptrolle und einhelliges Lob der Kritiker. Mit der "geradezu bedrohlichen Intensität seiner Darstellung" ("Der Spiegel") hatte der Schauspieler eine neue Dimension der Körpersprache erreicht.

Irgendwann hatte De Niro genug von seiner Paraderolle als ausgebuffter Gangster und entdeckte 1988 in "Midnight Run - Fünf Tage bis Mitternacht" sein Comedy-Talent. Herrlich neurotisch gab sich der Ausnahmedarsteller seither in den Komödien "Reine Nervensache" (1999) und "Meine Braut, ihr Vater und ich" (2000). "Manche Leute sagen, Drama sei leicht und Comedy seit schwer. Stimmt nicht. Wenn man ein Drama dreht, verbringt man den ganzen Tag damit, einen Typen mit einem Hammer totzuschlagen. Oder man muss ein Stück aus dem Gesicht von jemandem beißen. In einer Komödie brüllst du eine Stunde lang Billy Crystal an und kannst anschließend nach Hause gehen", so die Leinwandlegende. Auch im Fantasy-Abenteuer "Der Sternwanderer" (2007) zeigte sich der Schauspieler von einer überraschend anderen Seite - als tuntiger Kapitän in Frauenkleidern

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