Quotenhilfe von oben: ARD hofft weiterhin auf Quotensegen dank Kirchenpersonal

(tsch) Wozu die Kirche im Dorf lassen, wenn sie anderswo viel unterhaltsamer ist? Der junge deutsche Kampfkunst- und Action-Star Mathis Landwehr steht derzeit für eine neue RTL-Serie als "Lasko - Die Faust Gottes" vor der Kamera. Ein Mönch, der seine Kampfkünste in den Dienst des Vatikans stellt, ist wohl die radikalste Variation des Trend-Themas Kirche: Auffallend oft übernehmen die Vertreter und Vertreterinnen des Geistlichen nun wieder die Rollen der Fernsehhelden. In "Mein Gott, Anna!" (Fr., 05.09., 20.15 Uhr, ARD) schwingt Mariele Millowitsch als evangelische Diakonisse zwar keine rechten Haken aus der Kutte - aber das Drehbuch von Cornelia Willinger und Stephan Reichenberger ist trotzdem recht progressiv, zumal für einen Freitagabendfilm im Ersten. Die Kirche hat es abgesegnet.

"Die evangelische Seite freut sich, dass nun auch mal eine ihrer Kräfte in den Vordergrund rückt und aus dem Schatten von 'Pfarrer Braun' tritt", sagt Stephan Reichenberger. Da er gemeinsam mit seiner Kollegin Cornelia Willinger auch die Abenteuer dieses christlichen Schlitzohrs ersinnt, haben die beiden inzwischen gute Kenntnisse und Kontakte in der klerikalen Szene. Nun haben sie Anna erfunden.

Je unkonventioneller, desto lieber sind dem Zuschauer seine Kirchendiener im TV. Die Wirtschaftswissenschaftlerin und Diakonisse Anna (nur optisch das evangelische Pendant zur Nonne) wird wegen Aufmüpfigkeit in den Außendienst versetzt, um die finanziellen Angelegenheiten der Diakonie zu regeln. Ihre erste Aufgabe ist es, ein "Wirtshaus" in Oberbayern aufzulösen. Es entpuppt sich jedoch als gemütlicher Puff (ein "Fish-out-of-Water-Szenario" für die Diakonisse). Zuhälter Kristos (Martin Feifel) ist Anna bald sehr sympathisch. Und da sie in Prälat Schwanthaler (Harald Krassnitzer) auch noch einen engen katholischen Verbündeten hat, findet hier nicht nur obendrein ein "ökumenischer Flirt" statt, sondern damit ist "Mein Gott, Anna!" außerdem eine "satirische Variation" des ewigen ARD-Freitagabend-Themas "Frau zwischen zwei Männern".

Darüber hinaus handelt der Fernsehfilm, der als Startschuss einer möglichen Reihe gedacht ist, christliche Konventionen zwischen Tradition und Moderne ab. Der Prälat hat eine heimliche Tochter, die im Rollstuhl sitzt, und die er nach dem Tod ihrer Mutter in die Obhut der evangelischen Kirche gab, zu Anna. Die beiden kennen sich aus Studienzeiten und es könnte sein, dass da mal was war ... "Zum einen ist er weltoffen und weiß, worum es 'draußen' geht: Er hat Geschäfte zu führen und muss Finanzen zusammenhalten," beschreibt Krassnitzer seine Rolle quasi als "Winzerkönig" im Weinberg des Herrn. "Ich denke, das vergisst man oft, dass die katholische Kirche ein großer 'Konzern' ist, der weltweit agiert und viele Aufgaben zu erfüllen hat, die Geld kosten."

Dabei soll am Anfang dieser Produktion von Arbor TV und Bavaria Fernsehproduktion im Auftrag der ARD Degeto noch nicht einmal die Idee gestanden haben, einen weiteren Film über ach so weltliches Kirchenpersonal zu drehen. Es war vielmehr der Wunsch, Mariele Millowitsch mal wieder für ein Projekt im Öffentlich-Rechtlichen zu begeistern. Nachdem sie bereits erfolgreich die Dauerbrenner-Berufe Krankenschwester und Anwältin im TV ausgeübt hat (RTL) und nun für das ZDF als Kriminalkommissarin Marie Brand vor der Kamera steht, konnte sie mit dem Rollenangebot einer Diakonisse gelockt werden

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