"Popstars - Just 4 Girls" - Die Casting-Show mit der Aggro-Attraktion
(tsch) Geradezu verheerend erscheint die Bilanz der letzten "Popstars"-Staffeln - zumindest was die Halbwertszeit ihrer Gewinner betrifft. Overground, Preluders, Nu Pagadi, Monrose, Room 2012 - Namen wie Schall und Rauch! Aber: Das Ergebnis der ewigen Talentsuche interessiert doch ohnehin nur noch am Rande. Längst ist der Weg das Ziel. Und mit der Verpflichtung des gemeinhin als Rüpelrapper bezeichneten Eigenvermarktungsgenies Sido für die siebte "Popstars"-Ausgabe entlarvt sich das Prinzip Casting-Show mehr denn je. Der Mann, der eigentlich Paul Würdig heißt, ist der eigentliche Star der Show - die Rampensau, das Zugpferd, das Gesprächsthema, die Skandalnudel und der Zuschauermagnet in Personalunion. Sprich: Er ist der ProSieben-Bohlen, nur dass er einen noch schlechteren Ruf genießt.
Allein die Berufung des Aggro-Berlin-Rappers führte bereits vorab zu Protesten seitens des Deutschen Kinderschutzbundes: "Seine Songtexte beinhalten gewalt- und drogenverherrlichende Äußerungen, sind

auch frauenfeindlich. Damit ist er kein positives Vorbild für Kinder und Jugendliche." Dabei will der Mann vom Label mit dem Sägeblatt (aktuelles Album: "Ich und meine Maske") gar nicht die Rolle des Bösewichts übernehmen. Sondern? "Ich will einfach der Typ sein, der ehrlich ist, und sicherstellen, dass da nicht wieder welche weiterkommen, die nicht mal singen können." Aber weil es getreu dem neuen Show-Motto "Just 4 Girls" eine reine Mädchenband wird, komme es nicht nur auf den "krassen Gesang" an. "Die Leute wollen auch etwas sehen. Wenn jemand mit Jogginghose, ungepflegt oder völlig unscheinbar daher kommt, funktioniert das einfach nicht." Übersetzt heißt das wohl: Sex sells.
Die Suche nach geeigneten Kandidatinnen schien jedoch schwieriger denn je. Sido beschwerte si

ch in der Jugendpostille "Bravo" nicht nur über die Qualität der "Popstars"-Bewerberinnen ("Ich merke, dass die Talente in Deutschland rar werden"), auch deren Zahl fiel erschreckend niedrig aus. Gerade einmal 2.275 junge Frauen erschienen zu den Castings in Hamburg, Rust, Dortmund und Dresden, weshalb sich ProSieben wohl auch genötigt fühlte, online nach "Karaoke Talents" zu suchen. Zum Vergleich: Bei der letzten "DSDS"-Staffel sollen es laut RTL mehr als 28.000 Bewerber gewesen sein.
Neben der Aggro-Attraktion und der Sängerin Loona ("Bailando") sitzt auch dieses Mal wieder "Popstars"-Urgestein Detlef D! Soost in der Jury. Und im Gegensatz zu Sido glaubt der Choreograf und Schleifer, "hervorragend für die nächsten Schritte aufgestellt" zu sein. Für insgesamt 16 Folgen (donnerstags, 20.15 Uhr) und ein Live-Finale im Dezember muss es reichen.
Ausstrahlung am 28.08.2008 um 20:15 Uhr auf ProSieben
Autor: Gerd Hilber/teleschau - der mediendienst
Bilder:
ProSieben / Oliver S.
ProSieben / Stephan Görlich
Universal
Universal / Florian Wörner
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