Mariele Millowitsch: TV-Diakonisse und Kirchenkritikerin

(tsch) Das Prädikat, Volksschauspieler(in) zu sein, so wie ihr Vater Willy, darf Mariele Millowitsch, die jüngste Tochter des Kölner Originals, längst ebenfalls für sich beanspruchen. Serien wie "Girlfriends" oder die vielfach ausgezeichnete Sitcom "Nikola" waren Quotenhits, die dem authentisch-sympathischen Spiel ihrer Hauptdarstellerin viel zu verdanken hatten. Im Film "Mein Gott, Anna!" (Fr., 05.09., 20.15 Uhr, ARD) verkörpert die Schauspielerin und studierte Tierärztin nun eine widerspenstige evangelische Diakonisse, die Humor und gesunden Menschenverstand über das kirchliche Regelwerk stellt. Bei Erfolg soll "Mein Gott, Anna!" zur Reihe werden.

teleschau: Was hat Ihnen an der Rolle einer evangelischen Diakonisse gefallen?

Mariele Millowitsch: Dass Anna so politisch unkorrekt ist - wie viele andere Dinge in dieser Geschichte. Da gibt es zum Beispiel einen katholischen Prälaten, der heimlich ein Kind hat. Und die Diakonisse, meine Figur, zeigt immer wieder überraschende Charakterzüge, die man so einer Frau einfach nicht zutraut.

teleschau: Warum spielt der Film ausgerechnet im evangelischen Glaubensumfeld? Bisher lachte man doch meistens über die Katholiken, die ja als konservativer und somit satireanfälliger gelten ...

Mariele Millowitsch: Der Film arbeitet mit dem Gegensatz einer evangelischen Diakonisse, die ins katholische Bayern geschickt wird. Das sorgt in der dortigen Provinz immer noch für Irritation. So wie manche Bayern sich ja immer noch damit schwer tun, dass sie mit Günther Beckstein nun ihren ersten evangelischen Ministerpräsidenten haben. Das wäre wohl nirgendwo sonst ein großes Thema.

teleschau: Sie entstammen einer der berühmtesten Kölner Familien - ebenfalls eine sehr katholische Ecke Deutschlands. Hätte man eine Art Nonnen-Geschichte nicht auch mal dort spielen lassen können?

Mariele Millowitsch: Dass die Handlung in Bayern angesiedelt ist, liegt an den Autoren Stephan Reichenberger und Cornelia Willinger (schreiben auch "Pfarrer Braun", d. Red.). Die haben diesen bayerischen Humor einfach unglaublich gut drauf. Ein Witzverständnis, das ja sehr anarchisch ist und das ich auch sehr liebe.

teleschau: "Mein Gott, Anna!" soll fortgesetzt werden. Wird Bayern der Hauptschauplatz bleiben?

Mariele Millowitsch: Nein. Das Schöne an der Idee einer Diakonisse ist, dass sie überall eingesetzt werden kann. Von der Ukraine bis nach Südamerika. Von der Lüneburger Heide bis nach Spitzbergen, alles ist möglich. Dass eine Reihe kommen wird, ist relativ sicher.

teleschau: Wie intensiv haben Sie sich auf die Rolle einer Diakonisse vorbereitet?

Mariele Millowitsch: Ich habe viel im Internet gelesen, vor allem Erfahrungsberichte von Menschen, die diesen Beruf ausüben. Mich faszinierte dabei, wie sehr diese Leute wirklich die anderen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit und ihres Schaffens stellen. Diakonie ist in der Tat die radikale Form eines nichtegoistischen Lebenskonzeptes.

teleschau: Wieviel können Sie selbst mit dem Begriff Nächstenliebe anfangen? Bevor Sie Schauspielerin wurden, haben Sie sich zur Tierärztin ausbilden lassen. Auch ein Beruf, der eine fürsorgliche Note hat

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