"Livesport bestimmt das Programm": ARD und ZDF berichten flächendeckend von Olympia (ab 08.08.)

(tsch) Vergessen scheinen nun die Querelen um den Fackellauf rund um die Welt, in den Hintergrund getreten die Boykottdrohungen gegenüber den Olympischen Spielen in Peking angesichts der Repressionen in Tibet. Die Sportstätten stehen, allen voran De Meurons Stadion-"Vogelnest". Die großen deutschen Sender ARD und ZDF sind gerüstet und warten in Bataillonsstärke in ihren Startlöchern auf Olympia. Alles, was Beine hat, macht sich nun auf die Reise. 300 Stunden stehen im Ersten und Zweiten vom 08. bis 24. August auf dem Programm - dazu kommen ergänzend weitere vier digitale Kanäle mit zusammen 600 Stunden Live-Programm. Dass die Übertragung aus Gründen der Zeitverschiebung (sechs Stunden ist Peking voraus) live bereits um 2.00 Uhr nachts beginnt und dann bis 19.45 Uhr währt, kann die Vorfreude der TV-Leute nicht trüben. Jeweils 100 Moderatoren, Redakteure und "Storymacher" sind für ARD und ZDF akkreditiert. 30 eigene Kameras werden die Zuschauer zusätzlich zum Weltbild mit deutschen Spezialitäten versorgen.

"Livesport bestimmt das Programm", verspricht Eberhard Figgemeier, der Olympia-Programmchef des ZDF. "Permanente Schaltungen zu den verschiedenen Wettkampfstätten garantieren den Zuschauern das totale Olympia-Erlebnis." Dennoch soll auch die aktuelle politische Lage im Gastgeberland immer mal wieder beleuchtet werden. Themen wie Menschenrechte und Zensur rücken dann in den Mittelpunkt.

Ein Boykott stand für ARD und ZDF nicht zur Debatte. "Journalisten sind nicht dazu da, um zu boykottieren, sondern um aufzuklären", erklärt Chefredakteur Nikolaus Brender vom ZDF. Es geht bei Peking 2008 darum, zwischen Live-Berichten und kritischer Anmerkung, der so genannten "Hintergrundberichterstattung", die richtige Balance zu finden. Weshalb auch der ARD-Programmdirektor Günter Struve den Sport "nicht zuschütten" will.

So sollen nun, laut gemeinsamer Programmerklärung von ZDF und ARD, "faszinierende Bilder" aus Peking "Höchstleistungen, das Glück der Sieger und die Enttäuschung der Unterlegenen" transportieren. Während die ARD es vor allem bei der Live-Berichterstattung belässt und lediglich von 17.40 bis 19.45 Uhr Zusammenfassungen des Tages bringt, will das ZDF auch zur Primetime, also von 20.15 Uhr bis 21.45 Uhr, in den "Olympia Highlights" die sportlichen Höhepunkte des Tages servieren.

Zu diesem Zweck werden die Moderatoren Katrin Müller-Hohenstein und Johannes B. Kerner die Zuschauer live "aus der Gartenanlage des Deutschen Hauses" im Kempinski-Hotel in Peking begrüßen. Erwartet werden aktuelle Olympiasieger und andere "Gäste des Tages", vorausgesetzt, sie haben sich erfolgreich durch den Pekinger Smog gekämpft. Als Special Guest haben die Mainzer ihren Haus-Pianisten Lang-Lang hinzugeladen, der über die Eigenheiten seines Landes referiert, aber - zu den "Bildern des Tages" - auch schon mal in die Tasten greift. Satirisch nimmt im ZDF Werner Doyé ("Frontal 21") die Spiele aufs Korn. Grundversorgung gibt es dort bereits ab 7.00 Uhr morgens zu jeder vollen Stunde in "Olympia kompakt" - dann wird alles Wesentliche des bisherigen Tages auf den Punkt gebracht.

Für den Spaß im Ersten sollen wiederum "Waldi und Harry" (Waldemar Hartmann und Harald Schmidt) sorgen. Zu diesem Zweck hat man ihnen eigens ein 360-Quadratmeter-Studio ins Pekinger Hotel gebaut. Auch ARD-Morgen- und Mittagsmagazin werden regelmäßig aus Peking berichten. Dass die chinesische Zensur nicht ins Bildmaterial eingreifen kann, scheint gesichert. Die Olympiabilder werden von einer Tochtergesellschaft des IOC im International Broadcasting Center (IBC) produziert

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