Leben, lieben, leiden in Olympia-Land: Die 3sat-Reihe "China privat" ist ein junger Blick auf den Alltag im Reich der Mitte
(tsch) Der Eiffelturm steht südlich von Peking. Mit bester Aussicht auf die Freiheitsstatue und die Pyramide von Gizeh sowie rund 100 weitere berühmte Sehenswürdigkeiten aus 50 Staaten der Welt, von denen die meisten im Maßstab 1:10 nachgebildet sind. Der "Welt Park" in Chinas Hauptstadt ist ein bisschen wie Olympia: Aufsehen erregend, irritierend. Man kann sich nicht recht vorstellen, dass das geht. Nun, es geht, wir werden's ja sehen, wenn ab 8. August die Sportwelt in China zu Gast ist. Vom Alltag, wie er sich hinter den Fassaden der Millionstadt Peking abspielt, werden die Fernsehzuschauer freilich genauso wenig mitbekommen wie die Besucher des fast 50 Hektar großen Superparks. Auch all die Dokumentationen, die den Zuschauern in den vergangenen Monaten frei Haus geliefert wurden, zeigten zu wenig von der Lebenswirklichkeit der Chinesen. 3sat gewährt nun erstmals einen unverfälschten Blick durchs Schlüsselloch: "China privat" ist eine kleine, aber hochwertige Filmreihe, in der es um die Menschen geht statt um die politischen und ökonomischen Verhältnisse.
Zwei Welten - die eine sichtbar und erlebbar für Touristen, Sportfans und Fernsehzuschauer, die andere nicht. Wie sieht sie aus, die gelebte Realität der Menschen, die sich im Reich der Mitte ihr Dase

in zurechtarrangieren? Einfach Klischees ausblenden, zusehen und staunen: "China privat - Neue Filme aus dem Reich der Mitte" startet am Dienstag, 22. Juli. Den Auftakt macht (nach der halbstündigen Dokumentation "Kennwort Kino: Made in China") ein Film, der den typischen chinesischen Kontrast frappierend sichtbar macht. "Welt Park Peking" (2004) ist ein reales Drama vor surreal anmutender Kulisse.
Der 1970 geborene Regisseur Jia Zhang-ke, der 2006 in Venedig für seinen Spielfilm "Still Life" den Goldenen Löwen erhielt und als wichtigster Vertreter des jungen chinesischen Kinos gilt, zeichnet ein differenziertes Bild vom großstädtischen Leben. Er erzählt die Geschichte von Tao, einer jungen Frau, die im "Welt Park" als Hostess und Tänzerin arbeitet, und ihrem

Freund Taisheng, der als Wachmann angestellt ist. Es ist eine Geschichte von Menschen, die nach ihrer Bestimmung im Leben suchen, und die ganz gut beschreibt, wie das die Menschen in China so angehen: nämlich nicht sehr viel anders als bei uns. Hier wird geliebt, gehasst, betrogen, sich hochgeschlafen ... Je nach charakterlicher Neigung, alles vor dem Hintergrund der rasanten ökonomischen Entwicklung, die alljährlich zigtausende verarmte Bauern aus den ländlichen Regionen in die Großstadt lockt.
Man mag staunen, wie westlich einem der Alltag in China vorkommt und wie weltoffen und selbstbewusst der "normale" Bürger zu sein scheint, dann aber ist man auch von der Härte und der Tristesse des Lebens erschrocken, von der vielen Arbeit und dem knallharten Verdräng

ungswettbewerb, der seinesgleichen sucht. Der Regisseur: "Der Park steht für die Neugier der Menschen in China auf die Welt und für ihr Interesse, Teil der weltweiten Kultur zu werden. Ich denke, unsere Eindrücke von der Welt sind aktuell in erster Linie geprägt von unserem eigenen Leben und der Umwelt, in der wir leben. Die Landschaft des Themenparks mag nur nachgebaut sein - doch die Probleme der Figuren sind sehr real."
Deutlich expliziter und weniger parabelhaft kommt am Mittwoch, 23. Juli, 22.25 Uhr, "Lost in Beijing - Alles ist möglich" daher. Es geht um: Arbeit, Essen, Sex. Ein karges Alltagsleben, das die 1974 geborene chinesische Regisseurin Li Yu in ihrem dritten Spielfilm zeichnet. Und weil sie diesen Alltag so schonungslos entlarvt, reagierten die Regierungsstellen prompt
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