"Lattenknaller - Männer wie wir" - Lack trifft Leder

(tsch) Dass eine gute Abwehr aus Schwulen besteht, "weil die von hinten richtig Druck machen", ist nur ein schlechter Witz unter Fußballfans - solchen Zeitgenossen, die im gleichen Atemzug Sachen wie "Arbeitslos und homosexuell - das ist der VfL" grölen. Es gibt keine schwule Abwehr, es gibt überhaupt keine schwulen Kicker. Weiß doch jedes Kind, das Fußballer alles sind, nur nicht schwul. Nie. Das ist Gesetz und brauchte eigentlich nicht noch von Paul Steiner manifestiert werden. Immerhin stieß der einstige Abwehrrecke des 1. FC Köln mit seiner 1991 vor laufender Kamera getätigten Aussage, er könne sich nicht vorstellen, dass Schwule Fußball spielen könnten, wenigstens ein bisschen eine Diskussion über die Homophobie im Fußball an. Durchgedrungen bis hinter die Mauern der Männerbastion ist diese freilich nie. Daran konnte auch Sherry Hormanns hinreißende Komödie "Lattenknaller - Männer wie wir" (2003), die RTL nun zeigt, nichts ändern.

"Lattenknaller - Männer wie wir" rührt, ohne die dramatische Tiefe vergleichbarer Coming-Out-Geschichten auskommend, tief im Brei aus Machoismen, Vorurteilen und Phobien. Ein modernes Märchen, das einiges nach oben befördert. Auch eines, das Klischees, vorhersehbare Pointen und abgeschmackte Schwulenwitze bemüht, aber trotzdem bei allen in Frage kommenden Zielgruppen gleich gut ankommen dürfte: bei Fußballern, bei Schwulen, bei Heteros, bei Männern und sogar bei Frauen. Und das ist eine Kunst bei einem Film, in dem es zum großen Teil ums runde Leder geht.

Maximilian Brückner ("Tatort"), der damals sein Debüt auf der großen Leinwand gab und ab 21. August in Marcus H. Rosenmüllers Heimatfilm "Räuber Kneißl" im Kino zu sehen ist, spielt Jungbäcker Ecki. Der ist Torwart der Proleten-Fußballtruppe FC Boldrup im Ruhrpott. Dummerweise verpatzt er der Mannschaft den Aufstieg, fliegt deshalb hochkant aus dem Team und gibt unfreiwillig auch noch sein Coming-Out als Schwuler. Kein guter Stand bei den konservativen Bewohnern der Kleinstadt, die ihn mit Vorurteilen behaftet zum Gespött machen.

Doch das will er nicht auf sich sitzen lassen und verspricht eine Revanche: Mit einem homosexuellen Männer-Team, das allerdings noch gar nicht existiert, will er seine ehemalige Mannschaft herausfordern. In Dortmund, der Hauptstadt des Kickens schlechthin, macht er sich mit seiner Schwester Susanne (Lisa Maria Potthoff) auf die mühsame Suche nach Gleichgesinnten, um gemeinsam als Schwulenteam "Lattenknaller" im rosa Trikot gegen seine kleinkarierte Ex-Mannschaft antreten zu können.

Die Komödie ist zwar an vielen Stellen vorhersehbar und mächtig aufgebauscht, doch beweist Regisseurin Sherry Hormann mit Witz und Charme, dass sie trotz allem eine große Bandbreite an Stimmungen zu zeigen vermag. Inmitten von Alltagsdramen, übertriebenen Klischees und humorvollen Szenen finden sich deutsche Schauspielgrößen wie Dietmar Bär als Eckis Bäcker-Vater, Christian Berkel als schwuler Fußballer, Rolf Zacher als "Trainer" oder Mariele Millowitsch als Wirtin des Vereinsheims wieder und machen aus dem Film eine gepflegte Abendunterhaltung.
Ausstrahlung am 18.08.2008 um 20:15 Uhr auf RTL Autor: Alexander Franck/teleschau - der mediendienst
Bilder: RTL

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