Klee: Viele Lieder über Liebe

(tsch) Vielleicht muss man einfach akzeptieren, dass es verschiedene Wahrheiten gibt. Solche, die sehr allgemeingültig sind, sehr umfassend. Und solche, die personenbezogen funktionieren und die andere als aufgesetzt oder gar als Lüge sehen würden. Bei Klee war dieser Bruch schon immer da. Die waren, um ihre eigene Textkraft zu verwenden, schon immer zwischen Himmel und Erde. Einmal waren da die großen, alles umarmenden Popsongs, deren "Hey, das wird schon wieder"-Feeling die Band in die "Aktion Mensch"-Werbung spülte. Aber auch die andere Seite. Klee, die Band mit einem bisschen Glamour. Frontfrau Suzie, die eben, zumindest was die Optik angeht, den Codes des Rock'n'Roll gehorcht. Ralley hieß die Band ursprünglich, 1997 gegründet. Später wurde Klee daraus. All das mag eine organische Entwicklung sein, es macht sie nicht weniger bemerkenswert.

Und auch wenn all das nicht passiert wäre: Es macht Spaß, mit Sängerin Suzie Kerstgens, Gitarrist Tom Deiniger und Keyboarder Sten Servas in einem Münchner Straßencafé zu sitzen. Sie wissen vieles, übrigens auch, dass nur einen Steinwurf vom Interviewort entfernt Martin, der von Werner Enke so grandios verkörperte Protagonist der wunderbaren 60er-Jahre-Komödie "Zur Sache, Schätzchen" von May Spills, sein Zuhause hatte.

Klee haben ein neues Album ("Berge versetzen") aufgenommen. Es ist das erste für ihre neue Plattenfirma Universal, und vermutlich hat man dort schon so eine Art Erwartungshaltung. Denn Klee waren bei aller musikalischen Größe immer so eine Art Versprechen. Die schrieben Songs, die eine bisweilen beängstigende Allgemeingültigkeit hatten. Aber der riesengroße Erfolg, der blieb halt aus. Jetzt muss man natürlich sagen, dass das ein Luxusproblem für eine Band sein dürfte, die dennoch weithin bekannt ist und über eine durchaus treue Anhängerschar verfügt. Aber gleichzeitig ist da dieses Kribbeln. Es müsste einfach mal funktionieren, so richtig einschlagen. Immerhin hat diese Frau die wohl selbstverständlichste Stimme in der deutschen Popmusik seit Nena.

Und dann halt gleich so ein großes Fass. Klee singen über die Liebe. Beinahe ausschließlich. Sie singen darüber, wie es ist, zu merken, dass man sich dem Partner emotional nicht mehr verbunden fühlt. Sie singen über Streitigkeiten, über Hässliches, über Eiszeit. Aber sie singen auch über die Liebe selbst und schaffen es, all das in einem Stück wieder auf eine Ebene runterzurechnen, die Harmonie pur ist und die fast der Soundtrack für Herzschmerz-TV im Kai-Pflaume-Style sein könnte. "Weil es Liebe ist" heißt der Song. Blumfeld hatten ein Stück gleichen Titels im Repertoire und scheiterten schon ein wenig an diesen Worten. Klee weisen auch nur den unterschwelligsten Vorwurf jedweder Banalität zurück.

Suzie Kerstgens: Ich hab vielleicht 'ne leichte Vorstellung, was Du damit meinst ...

teleschau: Es ist einfach wahnsinnig viel und schon auch pathetisch. Der Song könnte laufen, wenn da irgendjemand seine große Liebe aus Amerika vorgesetzt bekommt, die zu arm war, das Flugticket zu bezahlen.

Suzie Kerstgens: Das ist nicht richtig. Der Song hat ganz fragende, suchende Momente. Er beschreibt die Sehnsucht, Klarheit zu schaffen, auch die Konsequenzen zu tragen, im Guten wie im Schlechten. Da tappst Du unbedarft in die Mausefalle, die vielleicht diese Streicher aufbauen.

Tom Deininger: Das auszusprechen, klingt vielleicht banal

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