teleschau: Eine Referenz an Deine Jugend in Bristol: "Knowle West" heißt jener Problembezirk, der dort "White Ghetto" genannt wird.
Tricky: Yep. Der Gedanke zu diesem Song kam mir, als mich ein

Typ auf der Straße anquatschte. Ein Weißer, einer dieser Typen, denen Ärger im Gesicht geschrieben steht. Er meinte: "Ey, deine Musik hat mich über die Zeit im Knast gebracht. Sie hat mich am Leben gehalten." Was willst du da sagen? Ich musste einen Song über meine Herkunft schreiben und darüber, wie leicht auch ich hätte in den Knast kommen können. Hiermit will ich allen sagen: Das, was ich geschafft habe, kann jeder von euch! Selbst, wenn ihr von ganz unten kommt. Ihr seid was Besonderes. Jeder hat Potenzial.
teleschau: Was braucht es denn, um zu erreichen, was Du geschafft hast?
Tricky: Es bedarf an Bildung. Arbeitsgruppen, Ausbildungsplätzen für Kinder und Jugendliche. Kids, die wie ich in Sozialbau-Ghettos aufwachsen, müssen Chancen bekommen. Ihre Eltern sollten

sich für Jugendzentren engagieren, sich mehr Zeit für ihre Kids nehmen.
teleschau: Wenn Du mit einem Deiner Songs das Leben eines Menschen derart beeinflusst hast, ist das die beste Form der Anerkennung?
Tricky: Das ist der Grund, warum ich immer wieder mit Jugendlichen im Studio arbeite. Ich habe mit ein paar Kids vergangenes Jahr ein Album aufgenommen. Sie hatten drei Wochen Zeit und waren wahnsinnig gut. Nur hat's denen früher nie jemand gesagt. Denen hat nie jemand eine Chance gegeben.
teleschau: Die gibst Du völlig unbekannten Talenten wie jenem "Joseph" auf deinem Album.
Tricky: Ja, ein Typ, den ich in L. A. auf der Straße kennen gelernt hab. Er hat da Musik gespielt. Ich lud ihn zu mir nach Hause ein. Er schrieb einen Song, ich produzierte den Tr

ack, und dann war er wieder verschwunden. Ich habe den Song nach ihm benannt, weil er jetzt Kohle für die Veröffentlichung kriegt. Hey, Joseph: Du bekommst Geld, bitte melde dich!
teleschau: Und wenn man sein Potenzial abruft, kann man auch so abfeiern wie Du in New York - zuletzt fast ein gesamtes Jahr!
Tricky: (kichert) Fast zwei Jahre, um ehrlich zu sein! Meine Freunde und ich haben ordentlich die Clubs abgecheckt. Einige meiner Kumpels aus Jamaika haben richtig Kohle - ich meine da fließt jede Nacht Schampus, und die legen dafür mal locker 30 Riesen in bar auf den Tresen! Wir flogen nach Miami in die besten Clubs und haben das fetteste Zeug gekifft, bis sie uns rausgeschmissen haben. Und dann sind wir durch die Hintertür wieder rein, hahaha! Es war, als wären wir wieder Kinder gewesen
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