Hannes Jaenicke: Der Star und "Die letzten Zeugen"

(tsch) Vielleicht hat Schauspieler Hannes Jaenicke (48) die Rolle seines Lebens gefunden. Wer in den vergangenen Wochen genau hingesehen und zugehört hat, wie sich der Star mit all seinem Gewicht als beliebter Fernseh-Held etwa für Tibet, gegen die Olympischen Spiele in Peking, für den Umweltschutz und den Erhalt bedrohter Tierarten stark machte, ist sich im Klaren, wie ernst Jaenicke all das meint und wie wenig dies mit dem üblichen Promi-Schaulaufen für gute Zwecke zu tun hat. Unter dem Titel "Die letzten Zeugen" startet er nun im ZDF eine Doku-Reihe, die vor dem Aussterben stehende Tierarten porträtiert. Jaenickes erster Fall ist ein besonders deprimierender: Haben die Orang-Utans Borneos überhaupt noch eine Chance? Sein Film am Mittwoch, 13. August, 23.15 Uhr, geht zu Herzen, lässt aber einen Funken Hoffnung übrig.

teleschau: Herr Jaenicke, was für ein Gefühl ist das, so ein kleines Orang-Utan-Baby auf dem Arm zu halten?

Hannes Jaenicke: Zunächst einmal sind das hochgrading unterhaltsame, knuddelige Tiere. Sie haben etwas sehr Menschliches und Gutmütiges - und das genau ist ihr Verhängnis. Das Wissen, dass diese Art in den nächsten paar Jahren verschwinden wird, rührt einen total an. Natürlich haben Orangs eigentlich nichts auf unserem Arm verloren. Aber in der Kletterschule der Auffangstation, in der wir drehten, versucht man, sie durch menschlichen Unterricht auf die Auswilderung vorzubereiten, somit war das nichts Unbekanntes für sie.

teleschau: Orang-Utan heißt übersetzt "Waldmensch" - Wie reagieren die Tiere auf den "Stadtmenschen"?

Jaenicke: Sie sind extrem neugierig und kennen überhaupt keine Scheu oder Argwohn. Hätten sie den, wären sie nicht so gefährdet.

teleschau: Glauben Sie, es gibt etwas, das wir von diesen Tieren lernen können?

Jaenicke: Absolut. Weil es Tiere sind, die ihre Umwelt und Nahrungsgrundlage nicht zerstören. Jeder Affe benötigt einen Hektar Regenwald, um zu überleben. Also ziehen sie jeden Tag von einem Stück Regenwald zum nächsten, um den Bäumen genug Zeit zu geben, sich zu regenerieren. Sie nomadisieren, um den Raubbau an ihrem Lebensraum zu vermeiden. Außerdem sind Orangs absolut friedlich, nachdenklich und sozial. Wenn zum Beispiel ein Tier verletzt ist, kommen die anderen und machen den Doktor.

teleschau: Das haben Sie selbst so erlebt?

Jaenicke: Wir drehten mit einem Affenbaby, dem wurde die Hand abgehackt. Die anderen Tiere streichelten es behutsam, halfen beim Essen, waren immer da. Orang Utans sind eine erstaunlich soziale Spezies. Wir könnten von der Natur so viel lernen, aber aus irgendeinem Grund verweigert das der Mensch.

teleschau: Griffen Sie deshalb zu so drastischen Schilderungen? Zur Sprache kommen Fälle, in denen kahl rasierte Orang-Utan-Weibchen in Bordellen an Betten gekettet oder in Sexshows benutzt werden. Dann gibt es diese Kickbox-Show im Park "Safari World" in Bangkok ...

Jaenicke: Glauben Sie mir: Die richtig harten Bilder sind in dem Film nicht zu sehen. Wir ließen viele Sachen absichtlich weg, das kann man keinem Zuschauer zumuten.

teleschau: Wie kann es noch grausamer gehen?

Jaenicke: Indonesien ist größtenteils ein muslimisches Land, in dem teilweise die Scharia praktiziert wird. Wenn ein kleiner Orang-Utan, der in menschlicher Obhut ist, eine Apfelsine klaut, wird ihm nach dem alten Korangesetz die Hand abgehackt

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