Glücklos - schon wieder ... Warum Jack Bauer vielleicht in Rente gehen sollte

(tsch) Auch bei ProSieben scheint Terroristenjäger Jack Bauer (Kiefer Sutherland) kein Quotenglück zu haben: Die ersten Folgen der sechsten "24"-Staffel (montags, 22.10 Uhr) erreichten im Schnitt zwischen acht und zehn Prozent der werberelevanten Zielgruppe. Keine Katastrophe, aber auch nicht berauschend für ein mit Preisen überhäuftes TV-Format, das lange Zeit als große Ausnahme galt, weil es wie großes Kino aussah. Natürlich ist die Programmierung der in Echtzeit ablaufenden Serie schwieriger als etwa bei "Dr. House". Aber es gibt auch andere Gründe für Jacks aktuellen Fehlschlag. Eine Suche nach möglichen Ursachen ...

Das größte Problem der Serie ist selbst geschaffen: Beim Versuch, sich immer wieder selbst zu übertreffen, gerieten die Macher in einen Teufelskreis, der sich in der sechsten Staffel wie theatralischer Fallout in einer unglaublichen Anhäufung von Krisenfällen niederschlägt. Die Serie startet bereits im Ausnahmezustand. Eine Terrorwelle erschüttert die USA. Doch die Bombenattentate sind nichts gegen den Atompilz, der bereits nach wenigen Stunden über einem Vorort von L.A. aufsteigt. Weitere Bomben sind im Umlauf, darüber hinaus folgen - wie üblich - eine Verschwörung gegen den Präsidenten, schwelende geopolitische Konflikte, der Tod bekannter Serienfiguren, dazu die ewige Diskussion "Sicherheit oder Freiheit?". Zeit zum Luftholen oder über diesen erzählerischen Irrsinn nachzudenken, bleibt da kaum - auch nicht für Jack, der nach nach seiner Rückkehr aus China, wo er 20 Monate lang inhaftiert und gefoltert wurde, sofort wieder das Land retten soll ...

Etwas mehr Mitleid hätte er schon verdient - vor allem, wenn man seine verbrannte und verätzte Hand, seinen mit Narben übersäten Rücken sieht. Was haben die nur mit ihm angestellt? Für Bedauern bleibt aber keine Zeit. Jack soll gleich nach seiner Ankunft geopfert werden. Für die Information eines Terroristen. Ohne Garantie. Aber er willigt ein, sagt, dass er den China-Knast nur deshalb überlebt hat, weil er sinnvoll sterben wollte. "Natürlich, Mr. President. Danke." Hirnloser Pathos und die allzu schnelle Selbstaufgabe im Dienste des Vaterlandes, die dem Märtyertum näherkommt als dem Heldentod - eine selbst für Fans der Serie kaum noch nachvollziehbare Mischung.

Dabei geht auch die emotionale Bindung verloren. Wenn Jack Bauer in einer früheren Staffel auf Geheiß eines Terroristen seinen Vorgesetzten hinrichten musste, saß der Zuschauer fassungslos da, schluckte, war geschockt. Nicht mehr in der sechsten Staffel. Hier wagen die Drehbuchautoren die tollkühnsten Kunstgriffe, führen neue Figuren und alte Haudegen in neuen Rollen nach Belieben ein, kopieren sogar ein bisschen "Star Wars" - doch fruchten mag das alles nicht. Im Gegenteil: Der Zuschauer wird zunehmend immun gegen das große Drama, das sich mal wieder in Echtzeit abspielt und immer wahnwitzigere Wendungen nimmt.

Vielleicht ist einfach mal gut. Eine Staffel noch (geplanter US-Start: Januar 2009), bei der laut Ankündigung alles anders werden soll. Dann aber ist bitte Schluss mit der Terrorjagd, dem Foltern, der ewigen Selbstaufopferung, dem Stressmarathon, der im Burn-Out endet

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