Das Glück kommt aus dem Loch in der Wand: Die Erfolgsgeschichte von Putumayo Records

(tsch) Putumayo, mit 15 Millionen verkauften Alben weltweit vermutlich das erfolgreichste Weltmusik-Label überhaupt, dürfte mittlerweile auch chronischen Musikverweigerern bekannt sein. Der Grund: Die mit naiven Bildern designten, fröhlichen Pappcover voll bonbonbunter weltweiter Musikvielfalt werden nicht nur im Fachhandel, sondern auch in Bioläden, Coffeeshops und Ethno-Klamottenläden gehandelt. Dieses Jahr wird Putumayo, hinter dem sich auch eine großartige politische Idee versteckt, 15 Jahre alt. Ein Grund für ein Gespräch mit Labelchef und -Vater Dan Storper.

Der macht mit dem Plattenlabel Putumayo schon seine zweite rasante und überhaupt nicht geplante Karriere. Denn ursprünglich studierte der freundliche 57-Jährige Lateinamerikanistik, um fremde Kulturen und ferne Welten zu bereisen und Kunst von dort zu sammeln. "Ich wollte Kunsthandwerk mitbringen, um mich damit über Wasser zu halten." Dass er von Anfang an keine Bankerkarriere an der Wallstreet anstrebte, lag nicht unbedingt am Elternhaus: "Ich war ein klassisches New Yorker Vorstandkind. Geldverdienen war bei uns eine absolute Priorität. Aber schon damals war der rebellische Geist der 60-er bis zu uns gedrungen und ich habe ihn regelrecht aufgesogen."

Das machte sich im weiteren Lebenslauf durchaus bemerkbar: "Damals dachte ich, dass man doch beides verbinden könnte: ein Business aufbauen, aber nicht obsessiv auf immer mehr Geld aus zu sein. Ich wollte außerdem sozial verantwortlich handeln und auch die Umwelt nicht schädigen", so Storper. Dementsprechend hat er auch heute immer noch die richtige Devise: "In der Zeit, die du auf Erden verbringst, musst du der Welt etwas geben, nicht versuchen, so viel wie möglich aus ihr herauszuziehen. Dein Job sollte nicht wehtun, nicht dir, nicht anderen. Er sollte helfen oder nützen. Dem Land, der Welt, der Gemeinschaft. Dann darfst du auch Geld machen!" Ein Satz, mit dem sich Storper als Urvater aller LOHAS dieser Erde entpuppt.

Storpers erster Laden war eine Art Loch in der Wand in New York. Er vertickte die ersten Stücke Kunsthandwerk, die er auf seinen Reisen nach dem Studium mitgebracht hatte. Südamerika begeisterte ihn damals. "Mein Gedanke war, Kunst und Kunsthandwerk der Einheimischen zu verkaufen und ihnen damit zu helfen, ihre Kultur auch uns verständlich machen, und nebenher Geld für neue Reisen verdienen." Er bemerkte, dass vor allem die Nachfrage der Kundinnen nach den paar kunstvollen Kleidungsstücken, die er im Angebot hatte, immens war. Und so gründete er 1975 seinen ersten Kleiderladen, Putumayo, benannt nach einem wunderschönen Tal in Kolumbien, das er auf einer seiner Reisen entdeckt hatte. Der Run auf Ethno-Wear war in der Hochzeit der Hippie-Ära groß, und so expandierte Putumayo nicht nur, sondern explodierte regelrecht. Storper eröffnete nach und nach ganze 600 Filialen in Amerika, importierte bald nicht mehr, sondern designte ab 1985 seine ethnisch inspirierte Kleidung selbst, schuf Kollektionen, auf die auch damalige Stars wie Jane Fonda und Mia Farrow abfuhren.

Im Jahr 1991 kam für ihn eine Art Erleuchtung in Sachen Musik: Damals besuchte er ein Konzert der in San Francisco wohnenden afrikanischen Band Kotoja

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