Gerd Ruge: Die Nudelsuppe im Zelt an der Lena ...

(tsch) Erster Korrespondent in Moskau, Mitbegründer des Weltspiegels, langjährige Einsätze in den USA und in China, Berichterstatter von Kriegsschauplätzen in aller Welt, Reisereportagen aus den entlegensten Winkeln ... Der viel gereiste Gerd Ruge, unverwechselbares Markenzeichen: die raue, stets etwas nuschelnde Stimme, darf mit Fug und Recht als Pionier der Auslandsberichterstattung im deutschen Fernsehen bezeichnet werden. Unter dem Titel "In 80 Jahren um die Welt" gratuliert der WDR seinem Reporter-Urgestein zum 80. Der 9. August, der Geburtstag des in München lebenden Journalisten, wurde kurzerhand zum Ruge-Festspieltag erklärt (los geht's um 15.35 Uhr mit dem Film "Gerd Ruge unterwegs - Die Route des Bären"). Es folgt eine "Gerd Ruge-Nacht", in der WDR-Auslandschefin Tina Hassel gemeinsam mit dem vielfach ausgezeichneten Gerd Ruge auf seine große journalistische Karriere zurückblickt.

teleschau: Herr Ruge, was macht einen Auslandskorrespondenten aus?

Gerd Ruge: Früher wie heute: Er muss zeigen, was los ist. Und er muss zeigen, was das für Deutschland bedeuten kann.

teleschau: Muss er die Mentalität eines Draufgängers haben?

Ruge: Das genaue Gegenteil ist der Fall: Er muss gut achtgeben, langsam an eine Sache herangehen. Natürlich darf man auch nicht so schnell zurückzucken, wenn es mal brenzlig wird.

teleschau: Wann wurde es brenzlig?

Ruge: Die wirklich schwierigen Situationen ergaben sich meistens nach den Drehs, wenn das Material durch Unruhegebiete zurück und auf irgendwelche Wege weiter nach Deutschland gebracht werden musste. Das war manchmal sehr viel schwieriger als das Aufdecken einer Geschichte.

teleschau: Sie berichteten von verschiedenen Kriegsschauplätzen, Indochina, Vietnam, Algerien, Kaukasus, Afghanistan ... Erinnern Sie sich an Momente, in denen Sie um Ihr Leben bangten?

Ruge: Bei der Arbeit war Angst weniger ein Thema. Nur danach dachte ich mir manches Mal: "Du alter Affe, musst du dir das auch noch antun!" Aber eigentlich überwog dann schon wieder die Freude, dass ich es gemacht hatte.

teleschau: Als der Durchschnittsdeutsche gerade vom Urlaub an der Adria zu träumen begann, lebten und arbeiteten Sie schon in Russland oder in den USA. Was trieb Sie seinerzeit weg, die Abenteuerlust?

Ruge: Bestimmt. Und politische Neugier. Ich war 16 Jahre alt, als der Krieg endete, wir hatten ja keinerlei Vorstellung, wie der Rest der Welt aussah. Also beschloss ich, dass ich mir so viel wie möglich selber ansehen möchte.

teleschau: Sie wurden Journalist, weil Sie reisen wollten?

Ruge: Kann man so sagen (lacht). Ich studierte zunächst Kunstgeschichte, aber irgendwann setzte sich meine Großtante durch, die moserte, dass dies eine brotlose Angelegenheit sei. Ich begann, journalistisch zu arbeiten. Für einen jungen Menschen damals die einzige Möglichkeit, ins Ausland zu kommen.

teleschau: Der Rest war harte Arbeit?

Ruge: Und etwas Glück. Ich wurde schon als sehr junger Journalist, der für den Rundfunk wohl schon ein paar recht interessante Berichte gemacht hatte, nach England und in die USA eingeladen. Das war der Anfang. In London traf ich Leute, die mir ein Visum für Jugoslawien besorgten. So kam es, dass ich bald als erster deutscher Journalist aus Jugoslawien berichtete. 1955 begleitete ich Bundeskanzler Adenauer zum Staatsbesuch nach Moskau, wo ich, vor dem Verhandlungsgebäude wartend, einen russischen Kollegen traf

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