Franz Dinda: "Ich sehe mich als Gefühlstransporteur"

(tsch) Sieben Filme hat Franz Dinda in diesem Jahr gedreht. "Lauter schöne Projekte", wie er sagt. "Der Mauerfall" war so eines, zum 20-jährigen Jubiläum der Wende. Ein weiteres ist der HR-Film "Sklaven und Herren" (geplanter Sendetermin: 12. November). Wieder einmal gibt Dinda da den Bösewicht in Schülerkreisen. Yogi, den er spielt, macht seine Mitschüler gern zu Sklaven, zieht nach seinem Gusto die Fäden, spinnt die Intrigen. Gefährliche Spiele sind das, fast so wie im aktuellen "Polizeiruf 110: Verdammte Sehnsucht", den nun das Erste am Sonntag, 24.08., zeigt. Dinda ist darin ein teuflisch freundlicher Drahtzieher im Brandenburger Edel-Internat, der einerseits den reichen Sponsoren-Vater hinter sich weiß, andererseits auch einfach Lust an der ihm zufallenden Macht über Mitschüler hat.

Dinda, der 1983 in Jena geboren wurde und als Fünfjähriger mit seiner geschiedenen Mutter, einer Pastorin, in den Westen floh ("anderntags wurde ich sechs"), ist selbst verwundert darüber, dass man ihm gerne die Rolle des freundlichen Fieslings überträgt. (Nota bene hat er ja 2007 auch noch die Rolle des Schleyer-Mörders in Roland Suso Richters "Mogadischu Welcome" gespielt.)

"Ich bin Pfarrerssohn", so sagt er. "Ich bin der unaggressivste Mensch, den ich mir vorstellen kann." Mag sein, dass man es in seinem Fall gerne mit der Methode des "Gegen-den-Strich-Besetzens" hält, also den Täter als gut aussehenden Sanften zeigt. Umso mehr ist er über seine sinistre Dauerbeschäftigung erstaunt, als er in dem Film "Die Wolke", der ihn bekannt machte und für den er 2006 den Nachwuchspreis "New Faces Award" bekam, ja so etwas wie ein rettender Engel und Liebhaber war.

Überhaupt kreist bei Dinda, der in seinen Filmen oft verträumt und ein wenig rätselhaft wirkt, sehr viel um die Liebe. Seit Jahren schon hat er einen Lyrik-Band in der Mache, der den schönen Titel "Liebesreimheit" trägt und demnächst endlich erscheinen soll. "Das Buchprojekt ist fertig", sagt er. "Ich lasse es gerade von Malern und Künstlern illustrieren, die mich unterstützen. Lyrik lässt sich ja sonst leider nur schwer verkaufen." Es sind lauter Liebesgedichte, die er darin niedergeschrieben hat - in all den Jahren zwischen den Dreharbeiten, "relativ kurze Gedichte, gemixt durch alle Stile", wie er sagt.

Der Schauspieler als Dichter: Geht das nicht schief? - "Ich hatte schon immer Spaß an Sprachen", antwortet Dinda selbstbewusst. "Schon seit dem Deutsch-Leistungskurs. Für mich sind Wörter das Medium für Gefühle." Er will sich nicht auf die Profession des Schauspielers beschränken und bezeichnet sich in Einbeziehung anderer Künste wie der Malerei, des Schreibens, aber auch der Musik (er ist gelernter Jazz-Trompeter) viel lieber als eine Art "Gefühlstransporteur".

Schönes Wort, denkt man beim Zuhören, und lauscht dem jungen Mann, der gerne in druckreifen Sätzen redet. Wer freilich gar bald einen voluminösen Roman von ihm erwartete, wird enttäuscht. "Ich habe keinen Zugang zur Prosa", sagt er. "Ich fange erst mal klein an, step by step." Mit dem Filmen begann er bereits vor der Schauspielschule, vor dem Abitur. Von Selbstüberschätzung ist er nicht bedroht. "Heute Stern - morgen schnuppe", hat er genial über allzu selbstgewisse Jungstars gedichtet. Er will sich keineswegs auf sein attraktives Äußeres reduzieren lassen, wenngleich es ihm in der Bandbreite der Rollen nützt

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