Flucht in Ketten: Gavin Rossdale und der schwierige Weg zur Emanzipation

(tsch) Nein, leicht hat er es wahrlich nicht. Gavin Rossdale, Mitte bis Ende der 90er-Jahre strahlender Frontmann der britischen Post-Grunge-Formation Bush, hat viel von seinem Starruhm eingebüßt. Nicht, dass er es jemals genossen hätte, im Rampenlicht zu stehen. Wenn man sich alte Interviews aus der Zeit seines Karrierehochs anschaut, wirkt der Adonis mit der prägnant kratzigen Stimme eher unsicher denn von sich selbst überzeugt. Und fast möchte man meinen, die Fluchtgedanken aus seinen Bewegungen und Blicken herauslesen zu können. Nur auf der Bühne, wenn die Musik die Person in den Hintergrund drängte, da war Rossdale schon immer ein anderer. Impulsiv, oft am eigenen Limit und manchmal fast selbstzerstörerisch war sein Auftreten. Damals.

Heute kennt man ihn vor allem als Göttergatten und liebenden Vater, der kaum mehr von der Musikjournaille, dafür von einer Horde Paparazzi gejagt wird. Denn Rossdale ist der "Mann von Gwen Stefani". Ein Titel, der definitiv schlimmer ist als der frühere. Als der Schubladendrang internationaler Medienvertreter dazu führte, dass Bush sich in nicht wenigen Köpfen als "die britische Antwort auf Nirvana" verankerten und ihr Sänger aufgrund seines Äußeren als "poster boy" belächelt wurde. Aber wie sagt der mittlerweile 42-Jährige so schön? "Das Leben ist kein Picknick."

Und Rossdale muss das wissen. Schließlich ist er schon seit knapp 15 Jahren im Geschäft. "Man muss das mal so sehen - um in der harten und kurzlebigen Musikindustrie bestehen zu können, muss man einige Dinge einfach akzeptieren, wenn man eine langfristige Karriere anstrebt. Mal erlebt man gute Zeiten, mal eher schlechte. Und darum geht es doch: Man muss all das hinnehmen und seinen eigenen Weg verfolgen."

Augen zu und durch. Diese Taktik scheint aktuell wieder an Bedeutung gewonnen zu haben. Schließlich versucht sich Rossdale erstmals als Solokünstler. "Wanderlust" nennt sich das Album, das sich im Vergleich zu früheren Werken eher ruhig und getragen ausnimmt. Gemeine Zungen könnten dem zwischen viel Pop und etwas Folk changierenden Romantik-Rock schnell das Prädikat "schmalzig" verleihen. Rossdale selbst spricht bevorzugt von der Atmosphäre seiner Stücke. "Die Platte mit Institute hat in gewisser Weise zu meiner Emanzipation beigetragen. Sie hat mich befreit und mich dazu befähigt, eine stark atmosphärische Platte zu machen. Ich wollte Songs schreiben, die sexy und direkt sind."

Ach ja, Institute. Das Nebenprojekt mit ehemaligen Mitgliedern von Helmet, gegründet vor knapp drei Jahren. Ein Album lang drängte sich das genaue Gegenteil von Rossdales Soloambitionen in die Musikgeschichte. Mit nicht gerade erwähnenswertem Erfolg. Was durchaus an der zu diesem Zeitpunkt wenig angesagten Aggressivität und Härte der Band gelegen haben mag. Und Rossdale immer wieder dazu veranlasst, Institute mit Tin Machine zu vergleichen, dem mutigen, aber kommerziell gefloppten Kurzzeit-Projekt David Bowies. "Wanderlust" hingegen sieht er eher in der Tradition von Peter Gabriel oder des Ausnahmegitarristen Robbie Robertson.

Neue Wege gehen und die innere Balance finden - dieses Thema zieht sich durch nahezu alle Stücke auf "Wanderlust". Was Assoziationen an andere Musiker aus der Bush-Ära weckt, etwa Chris Cornell oder Scott Weiland

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