Catrin Striebeck: "Wer liebt, fragt nicht nach dem Leid"
(tsch) "Die Katze", das vielleicht traurigste große Fernsehspiel in diesem Jahr, schenkte die ARD seinem Schauspiel-Titanen Götz George zum 70. Geburtstag. An seiner Seite: Hannelore Hoger und Catrin Striebeck, die wie Götz George einer reinen Schauspieler-Familie entstammt. Die 42-jährige Tochter der Hamburger Theaterlegende Peter Striebeck und seiner Kollegin Ulla Purr ist allerdings längst selbst zu einer gefeierten Mimin auf der Bühne, in Fernsehen und Film geworden - und das nicht erst seit einer eindrucksvoll harten Liebesszene in Fatih Akins Meisterwerk "Gegen die Wand". Auch "Die Katze" nach einer Erzählung von George Simenon lotet vornehmlich die dunklen Seiten der Liebe aus. Im Interview spricht Catrin Striebeck über die paradoxe Ehe von Liebe und Leid, über Geheimnisse des Schauspielkollegen Götz George und davon, dass sie die Nacht vor Liebesszenen bisweilen wach im Nachtzug verbringt ("Die Katze", Mi., 23.07. 20.15 Uhr, im Ersten).
teleschau: Im Film "Die Katze" kehrt ein Mann freiwillig zu seiner Frau zurück, mit der ihn ein Hassverhältnis verbindet. Warum tut er das?
Catrin Striebeck: Ich glaube, es ist sehr schwer, sic

h vom Gewohnten zu lösen. Es gibt in vielen Ehen Ausbruchsversuche, die wieder rückgängig gemacht werden. Man geht weg und merkt auf einmal, wie sehr man an diesem Verhältnis hängt - obwohl es Außenstehende gar nicht nachvollziehen können. Im Prinzip werden die beiden Figuren, vor allem die von Götz George, Opfer ihrer eigenen Konsequenz. Er sagt: "Wenn der Katze etwas passiert, spreche ich kein Wort mehr mit dir." Das zieht er dann durch. Vor allem in den Blicken von Götz George und Hannelore Hoger, die dieses Paar brillant spielen, sieht man immer wieder die innere Verzweiflung über diese Konsequenz.
teleschau: Sie spielen dagegen die positive Frauenfigur, eine Kneipenwirtin mit Herz, zu der George ausbricht und der er dann doch ohne Not den Rücken kehrt. Warum schafft Sie es nicht, diese

n Mann zu halten?
Catrin Striebeck: Das ist eine interessante Konstellation. Wir hatten bereits während einer früheren Ehe von Götz' Rolle ein Verhältnis miteinander. Doch wenn wir beide frei waren, lief nichts zwischen uns. Auch so etwas, denke ich, ergibt sich instinktiv - dass man sich nur dann einlassen kann, wenn man weiß, dass der andere gerade gebunden ist.
teleschau: Obwohl doch einzig und allein dieses Verhältnis eine gewisse Leichtigkeit atmet in diesem Film ...
Catrin Striebeck: Weil es unverbindlich ist und nichts erwartet wird. Auf der anderen Seite ist es das, was Beziehungen ausmacht: Sie beginnen, weil man zu Recht etwas von dem anderen erwartet. Es ist nur immer die Frage, wie man die Balance hält - ob man den anderen verformt oder ihn - im besten Sinne - zu ei

nem besseren Menschen macht. Aber das ist eben das Spannende an Beziehungen.
teleschau: "Die Katze" ist ein Stoff, der durchaus um das Thema "Lust am Leid" kreist. Ein Thema, mit dem Sie persönlich etwas anfangen können?
Catrin Striebeck: Lust am Leid empfinde ich grundsätzlich überhaupt nicht. Trotzdem bleibt das Leid nicht aus im Leben und in der Liebe. In dem Moment, da man liebt, stellt sich die Frage nach dem Leid auch nicht mehr. Liebe ist Liebe. Sie ist vorbei, wenn sie vorbei ist. Dazwischen gibt es die ganze Gefühlspalette, die man manchmal einfach aushalten muss. Zur Liebe gehört schließlich auch die Hoffnung auf Veränderung.
teleschau: Dies mag für eine Beziehung mit Höhen und Tiefen gelten
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