Bedächtiger Phoenix aus der Asche: Sat.1 stellt seine Programmplanungen zur neuen Fernseh-Saison vor

(tsch) Der Gigant hat sich erholt: Sat.1, in den letzten Jahren quotenschwächelndes Flaggschiff privater deutscher Fernsehunterhaltung, gab sich bei seiner Jahrespressekonferenz in Hamburg deutlich gelöst. "Der Sender mit den stärksten Marktanteilsgewinnen bis zur Fußball-EM heißt Sat.1", so Senderchef Matthias Alberti. Dank reformierter Richtershows übernahm Sat.1 die Marktführerschaft in der werberelevanten Zielgruppe (14- bis 49 Jahre) am Nachmittag von RTL. Der Vorabend konnte gegenüber der letzten Saison um 0,8 Prozent gesteigert werden, und in der Primetime legte man nach Senderangaben einen guten halben Prozentpunkt zu. "Wir haben 2008 in der Zeit bis zur Europameisterschaft unser Ziel erreicht und liegen bei elf Prozent Marktanteil", verkündete ein zufriedener Matthias Alberti. Um diesen Wert zu halten, was im Sportjahr 2008 nicht einfach werden dürfte, kündigten er und sein Co-Geschäftsführer Torsten Rossmann neue Formate für den Herbst an: Fußball spielt dabei eine wichtige Rolle. Außerdem: ein neues Konzept für deutsche Serien, die blaublütige Variante von "Bauer sucht Frau" und eine neue Telenovela mit Jeanette Biedermann.

"Unsere Strategie geht auf", freut sich der Senderchef über die positive Entwicklung seiner Bällchenformate. "Unsere Programme entwickeln sich in die Richtung klassischer Sat.1-Werte: Familienorientierung, Wärme, Emotionalität und Einzigartigkeit." Zumindest letztgenannte Eigenschaft darf man getrost dem Vokabular der Werbelyrik zuordnen - denn eines ist das Sat.1-Programm mit Sicherheit nicht: einzigartig. Vielmehr verfolgen die Berliner das auf dem deutschen Fernsehmarkt gern genommene Konzept der "Me Too"-Produkte, sprich: Formate, die anderswo erfolgreich sind, werden abgekupfert. Was den Donnerstagabend betrifft, an dem Sat.1 zuletzt mit Krimiserien wie "RIS", "GSG9" und "Deadline" arg auf die Nase gefallen ist, soll ab Herbst 2008 - genaue Starttermine stehen noch nicht fest - eine andere Art Klonprogramm die Kastanien aus dem Feuer holen. Statt harter männlicher Action programmiert Sat.1 in Zukunft weiblich.

In "Dr. Molly & Karl" mit Sabine Orléans und Susanna Simon geht es um ein "odd couple" im Krankenhaus. Einer übergewichtig-zynischen Neurochirurgin wird eine sensible, gut aussehende Psychologin zur Seite gestellt - Konflikte dürften vorprogrammiert sein. Trotz des weiblichen Duells sind Ähnlichkeiten der auf scharfzüngige Dialoge setzenden Krankenhausserie zu "Dr. House" nicht von der Hand zu weisen. Noch klarer dürfte das Vorbild bei "Klinik am Alex" auszumachen sein. Die ebenfalls im Krankenhaus angesiedelte Serie um ein Team junger attraktiver Ärzte leiht sich sein Konzept bei "Grey's Anatomy" aus. Dritte im Bunde der selbst produzierten neuen Serien wird "Plötzlich Papa - Einspruch abgelehnt" mit René Steinke. Der Ex-"Cobra 11"-Mitarbeiter spielt darin einen coolen Anwalt, der nach einem One-Night-Stand unerwartet zum alleinerziehenden Vater eines dunkelhäutigen Mädchens wird.

Große Stücke hält Sat.1 darüber hinaus auf seine neue Telenovela "Anna und die Liebe", die ab 25. August von Montag bis Freitag um 19 Uhr das Publikum einfangen soll. Jeanette Biedermann verkörpert darin ein schüchternes Aschenputtel, das von einer Karriere in der Werbeagentur "Broda & Broda" träumt. Matthias Alberti ("Ich habe die ersten Folgen gesehen - ein Hammer") wünscht sich von der Serie samt ihres Titelsongs von Rosenstolz ("Eine sichere Nummer eins in den Charts") einen weiteren Ausbau des Erfolgs am Vorabend.

Auf der gleichen Zeitschiene, nur eben sonntags (ab 03. August) geht Sat.1 mit dem Infotainment-Format "Gräfin gesucht - Adel auf Brautschau" auf Quotenjagd

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