Ralf Bauer: "Jetzt ist die Zeit!"

(tsch) Strahlend blaue Augen, gewinnendes Lächeln ... und ein Surfbrett. Dass die - vorwiegend weiblichen - Zuschauer ihn auch 13 Jahre nach "Gegen den Wind" als surfenden Sonnyboy in Erinnerung haben, stört Ralf Bauer nicht wirklich. Schließlich war es seine erste große Rolle, nachdem er 1993 sein Fernsehdebüt im "Disney Club" gab. Doch so langsam könnte sich das Publikum umgewöhnen, denn für die ZDF-Serie "Fünf Sterne" (ab 03.07., donnerstags, 20.15 Uhr) stand der 41-Jährige mittlerweile schon häufiger vor der Kamera als damals für die Surfsoap. In den letzten Wochen jedoch suchte Ralf Bauer weniger in seiner Funktion als Schauspieler das Rampenlicht, sondern um sich für eine Herzensangelegenheit stark zu machen: die Freiheit Tibets.

teleschau: Herr Bauer, in "Fünf Sterne" spielen Sie einen Hotelier. Fühlen Sie sich auch privat in Hotels wohl?

Ralf Bauer: Ich liebe Hotels. Es ist angenehm, wenn alles für einen erledigt wird. Ich mag Ordnung, bin aber ein großer Chaot. Manchmal brauche ich jemanden von außen, der diese Ordnung wiederherstellt. Das fällt mir gelegentlich schwer.

teleschau: Ist "Fünf Sterne" auch das Motto für Ihre Hotelwahl?

Bauer: Ich lebte schon in unterschiedlichsten Hotelkategorien, von minus fünf bis plus fünf Sterne. Minus fünf war in Peru, im Keller, auf einer Drahtliege mit unglaublich dünner Matratze. Das Bad war eine Tonne voll Regenwasser. Das Zimmer war dunkel und sah aus wie eine Zelle in einem heruntergekommenen ehemaligen Gefängnis. Aber es war sehr günstig.

teleschau: Wie kommen Sie unter, wenn Sie nach Tibet reisen?

Bauer: Ich war noch nie in Tibet, das wird fälschlicherweise gern geschrieben. Aber ich war oft in Indien und in Exil-Tibet, in Dharamsala. Bei einem Aufenthalt verbrachten wir die erste Nacht zu dritt in einem schimmligen Zimmer. Danach wechselten wir das Hotel. In dem neuen Quartier standen zwei Betten nebeneinander, und am Fußende lag eine Matratze auf dem Boden, auf der ich dann schlief. Aber ich habe damit keine Probleme. Ich bin ein Typ, der auch mit Schlafsack im Kombi übernachtet. Ich brauche das Abenteuer.

teleschau: Sie engagieren sich seit mehreren Jahren für Tibet. Was gab den Anstoß?

Bauer: Ich wurde durch "Kundun" von Martin Scorsese auf das Land Tibet aufmerksam. Bei einem Dreh in Wien lernte ich eine Tibeterin kennen, die in den 60er-Jahren eine der ersten Exil-Tibeterinner in der Schweiz war. Durch sie traf ich viele Tibeter und erfuhr aus erster Hand, was ihnen im Leben alles geschehen ist. So näherte ich mich der Sache mehr und mehr an. Ich übernahm Schirmherrschaften, hielt Lesungen, trat bei tibetischen Neujahrsfesten auf - ganz unterschiedliche Sachen.

teleschau: Können Sie einschätzen, welches Bild die Tibeter von den Deutschen haben?

Bauer: Sie finden hier Zuflucht und freuen sich über die große Unterstützung in der Bevölkerung. Die Unterstützer müssten allerdings manchmal etwas extremer sein, und sich mehr hinter die Tibeter stellen.

teleschau: Zum Beispiel mit einem Boykott der Olympischen Spiele, für den sie sich im März in einer Zeitschrift aussprachen?

Bauer: In dem Artikel wurde meine Aussage nicht richtig wiedergegeben. Es geht mir darum, die offiziellen Anlässe zu boykottieren, um auf die Situation der Tibeter aufmerksam zu machen

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