"Der masturbierte Elefant - Artenschutz ohne Tabus" - Handarbeit in XXL

(tsch) "Sex sells" - das gilt auch im harten Zoo-Doku-Geschäft. Daher verwundert es kaum, dass "Der masturbierte Elefant" (im Original: "How To Masturbate An Elephant") aus der "BBC Exklusiv"-Reihe bei der Erstausstrahlung (2007) ein paar mehr neugierige Zaungäste als gewöhnlich vor den Fernseher locken konnte. Doch ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Schließlich geht es hier um ein sensibles Thema: Experten zufolge waren nie mehr Tierarten vom Aussterben bedroht als heute. Und wenn die Libido der Säugetiere zu wünschen übrig lässt, wie das hinter den Gitterstäben der Zoos verständlicherweise die Regel ist, heißt es für Artenschützer eben: rein in die Gummihandschuhe und ran an den Elefantenbullen. vox wiederholt nun die Doku mit dem schlüpfrigen Titel, die renommierte Wildtiermediziner bei ihrer schweißtreibenden Arbeit zeigt.

Berührungsängste kennt Thomas Hildebrandt vom Tierpark Berlin-Friedrichsfelde nicht. Er und sein Team haben schon einigen Tieren bei der Familienplanung geholfen. Mit viel Fingerspitzengefühl und vollem Körpereinsatz legt man hier bei der Entnahme von Erbgut beherzt selbst Hand an. Die besonderen Gefahren, denen sie an ihrem Arbeitsplatz ausgesetzt sind, nehmen die Wissenschaftler im Dienste der Fortpflanzung und des Erhalts gefährdeter Populationen gerne in Kauf. Und außerdem: Wer kann am Stammtisch schon von sich behaupten, dass er sein blaues Auge einem plötzlich umherschwenkenden Elefantenpenis zu verdanken hat? Die Mühen und Risiken haben sich bezahlt gemacht: Die Erfolge der Berliner im Bereich der künstlichen Befruchtung von Nashörnern und der Ultraschallvorsorge bei Elefanten sind unerreicht.

Weniger zünftig, dafür umso umstrittener geht es bei den amerikanischen Kollegen vom Audubon Institute in New Orleans zu. Betsy Dresser, die bereits einen Geparden erfolgreich aus Stammzellen heranzüchtete, glaubt die Rettung für bedrohte Spezies im Klonen gefunden zu haben. Thomas Hildebrandt zeigt jedoch Verständnis für die forsche Forscherin: "Der Mensch hat das Artensterben in Gang gesetzt, jetzt liegt es in seiner Verantwortung, die Arten zu retten." Unzählige Tierexperimente haben die Entwicklung von menschlichen Reproduktionstechniken wie künstlicher Befruchtung oder In-vitro-Fertilisation erst möglich gemacht. Nun kommen die dafür ausgegebenen Milliarden an Forschungsgeldern auch Pandas, Großkatzen oder eben den sanften, grauen Riesen zugute. Masturbieren für eine bessere Zukunft: Die Krone der Schöpfung ist in ihrem Element.
Ausstrahlung am 09.07.2008 um 23:00 Uhr auf vox Autor: Ute Nardenbach/teleschau - der mediendienst
Bilder: vox / BBC / Nathan Budd

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