Ikonen durchs Schlüsselloch: Die sechsteilige Reihe "Deutschland, deine Künstler" begleitet echte Prominente durch ihren Alltag (ab Mi., 02.07., ARD)
(tsch) Ein bescheidener älterer Herr aus Deutschland sitzt auf dem Podium und spricht über einige seine Freunde. Namen wie Tom Hanks, Robert Redford oder Brad Pitt fallen. Der ältere Herr arbeitet mit ihnen - wenn er nicht gerade malt, Geige spielt oder in seinem Haus an der Ostsee ausspannt. Armin Mueller Stahl, 77 Jahre alt, ist der einzige deutsche Schauspieler, der in Hollywood große Charakterrollen spielen darf. In drei Systemen schaffte er es bis ganz nach oben: DDR, Bundesrepublik Deutschland, Hollywood. Trotz unterschiedlichster Rollen blieb der geborene Tilsiter dabei immer auch ein bisschen geheimnisvoll - Typ unergründlicher Gentleman. Was macht die Kunst und den Erfolg dieses Mannes aus?
Ein Film, der diese Frage beantworten will, bildet den Auftakt zur sechsteiligen ARD-Reihe "Deutschland, deine Künstler". Fast schon skandalös ist der Sendeplatz der aufwendigen Porträts, die Deutschl

ands Vorzeigekünstler im Arbeitsprozess und privat begleiten. Wohl aus Angst vor dem Wort "Kultur" setzte das Erste die Reihe kurz vor der Geisterstunde an (ab Mittwoch, 02.07., 23.30 Uhr).
Ein Armin Mueller-Stahl bewirbt nicht, er steht bestenfalls zur Verfügung. So wie jetzt, da die abwechselnd in Pacific Palisades, Kalifornien, und an der deutschen Ostsee lebende Schauspiel-Ikone im Hamburger Schauspielhaus einigen Programm-Machern der ARD zur Hilfe eilt. Über ein interessantes Kulturprogramm gilt es zu reden.
Nicht nur die Prominenz der ausgewählten Künstler macht die Reihe interessant. Auch die Machart darf man als ungewöhnlich bezeichnen. Keine Standardbiografien aus filmischem Archivmaterial und aktuellen Interviewsch

nipseln vor blauer Studiowand sind es - stattdessen: Armin Mueller-Stahl beim Malen in seinem Haus in Kalifornien, hoch oben über dem Pazifik. Der körperbehinderte Sänger Thomas Quasthoff beim Einkaufen mit seiner Frau. Musikstar Herbert Grönemeyer bei der intimen Begegnung mit Fans in seiner Heimatstadt Bochum. Sechs renommierte Dokumentarfilmer begleiten sechs der anerkanntesten Künstler Deutschlands durch ihr Leben und künstlerisches Schaffen.
"Wenn dieses Konzept aufgeht", so ARD-Chefredakteur Thomas Baumann, "werden aus prominenten Namen Figuren, deren Kunst sich erschließt". Nicht um Promi-Gossip geht es also - auch wenn einige Passagen die Gier des Schlüssellochblicks durchaus befriedigen. Eher darum, Kunst und Künstler zu

erleben und zu verstehen. Laut Thomas Baumann will die Filmreihe Kunst und Kultur auch für Publikumsschichten zugänglich machen, die sich normalerweise nicht dafür begeistern und dennoch den Erwartungen der Kenner genügen. "Die Schwierigkeit liegt darin", so Baumann, "Kunst und Kultur in einer Weise darzustellen, wie sie es verdienen: nicht elitär, sondern kompetent und seriös".
So weit die Theorie. In der Praxis traut man dem Ganzen dann doch nicht zu, eingefahrene Sehgewohnheiten brechen zu können. Daher trotz prominentester Namen und aufwendigem Produktionsstil der Sendeplatz am späten Mittwoch- und Donnerstagabend. Armin Mueller-Stahl zum Auftakt folgen: Herbert Grönemeyer (Donnerstag. 03.07., 22.45 Uhr), Cornelia Funke (Mittwoch, 09.07., 23.30 Uhr), Thomas Quasthoff (Donnerstag, 10.07., 22.45 Uhr),
1
·
2