Vom Container in die Realität: RTL II feiert das Finale (Montag, 07.07., 21.15 Uhr) der achten "Big Brother"- Staffel

(tsch) "Nipplegate" erschütterte Amerika bis ins Mark. Seit Justin Timberlake beim Super Bowl 2004 "aus Versehen" die Brust von Janet Jackson entblößte, werden diverse Live-Veranstaltungen im US-Fernsehen um einige Sekunden zeitversetzt ausgestrahlt. Diese Maßnahme ergriff Premiere auch bei der aktuellen Staffel der Container-Soap "Big Brother". Nicht etwa, um in die Kamera gehaltene Geschlechtsmerkmale mit einem Balken zu versehen - das wäre erstens kontraproduktiv und zweitens zu aufwendig. Nachdem zwei Kandidaten aufgrund übler verbaler Entgleisungen (Pädophilen-Witz, Nazi-Parole) bereits gegangen wurden, wollte man fortan auf etwaige Verfehlungen reagieren können. So weit, so interessant. Ansonsten plätschert das Leben in der menschlichen Abstellkammer relativ unspektakulär nun wieder seinem Ende entgegen. Am Montag, 07.07. (21.15 Uhr, RTL II), wird beim Finale der nunmehr achte Gewinner gekürt.

Mal wieder liegen sechs Monate Voyeurismus und Sozialstudie über das merkwürdige Paarungsverhalten kopulationswütiger Kleingeister hinter dem TV-Publikum. In der achten Staffel hieß es erneut: "Arm gegen Reich". In einem zweigeschossigen Haus, das in einem Kölner Studio aufgebaut wurde, wohnten die Kandidaten in zwei streng voneinander getrennten Bereichen. Die einen im Überfluss, die anderen unter kargen Bedingungen. Viel Neues gab es also nicht zu berichten. Umso mehr verwundert es, dass tatsächlich noch Zuschauer einschalteten. Obwohl es natürlich wieder niemand gewesen sein will, setzte die Reality-Show gegen Staffelmitte geradezu zu einem neuen Höhenflug an. Die Marktanteile zur Halbzeit von 10,5 Prozent in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen wurden später sogar noch überboten. Der Mikrokosmos, in dem geliebt, gelogen, gestritten, geweint und gemeinsam geduscht wird, ist offenbar auch noch nach acht Jahren interessant.

Eine neunte Staffel des medialen Streichelzoos wollen die Macher derzeit noch nicht bestätigen. Wer sich aber für einen extrovertierten Menschen hält, der sein Leben und Lieben mit Fernsehdeutschland teilen möchte und sonst nichts Besseres zu tun hat, als sich wegsperren zu lassen, der kann sich vorsichtshalber schon mal per E-Mail (casting@endemol.de) für eine etwaige weitere Runde bewerben.

Nun muss aber zunächst der aktuelle Durchgang zu Ende gebracht werden: Die Finalisten kämpfen um die Gunst des Publikums - und um 250.000 Euro. Doch die größte Herausforderung steht ihnen erst nach dem Auszug bevor: Dann wollen viele Tage Realitätsabstinenz kompensiert werden - bestimmt eingeleitet von Moderator Jürgen mit der Frage: "Was machste jetzt?" Gemeinsam mit Charlotte Karlinder und Miriam Pielhau, die ihre Brustkrebsoperation nach Angaben des Senders gut überstanden hat, wird der Ex-"Knacki" die Kandidaten nicht nur vor dem Haus in Empfang nehmen, sondern sich noch einmal an die größten Streits, die innigsten Liebesbekundungen und überhaupt die schönsten Momente der Show erinnern.

Für Bewohner Marcel gehört dazu sicherlich der Besuch seiner Oma Bärbel. Die resolute Rentnerin zählte neben Drag Queen Olivia Jones und Samu Haber von Sunrise Avenue zu den Stargästen der Ausgabe.

Ja, es war wirklich kein großes Kino, was Männlein, Weiblein und RTL II zwischen Luxuswanne und Steh-Klo in den vergangenen 183 Tagen boten. Aus diversen Live-Sex-Einlagen unter der Decke, öffentlichem Abnehmen, tränenreichen Liebesdramen und freizügiger Körperpflege sticht einzig die Geschichtsstunde am Ostermontag wirklich positiv heraus: Nachdem Kandidatin Rebecca im Container eine Nazi-Parole gerufen hatte, wurde sie, wie bereits erwähnt, nicht nur von der Show ausgeschlossen

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