Wer war Erster: Die Westwood oder "The Sex Pistols"?
Baggy-Jeans, weiße Sneaker und extralange Ketten: Labels mit junger Zielgruppe wie H&M oder Miss Sixty setzen gezielt auf die Verbindung von Mo

de und Musik. Der neue Streetstyle etwa kommt nicht von ungefähr: Spätestens, seit der Hip-Hop in die Clubs zurückgekehrt ist, sind breite Turnschuhe wieder Pflicht. Logisch, dass Adidas den Trend nicht verschlafen hat und aktuell Prollschönheit Missy Elliot als werbenden Star unter Vertrag hat.
Dank rappender Vorbilder ist Adidas Ende der 80er-Jahre schon mal zum Marktführer avanciert. Die fetten Sneaker trugen damals die Jungs von "Run DMC". 1986 widmeten sie ihren Lieblingsschuhen den Song "My Adidas". Und schwupps waren die Treter über Deutschland hinaus bekannt. Sängerin Lily Allen spielt einem anderen Sportausstatter den Ball zu. Weiße Nike Air Max machen sich perfekt zu Allens mädchenhaften Stylings mit Petticoat-Prom-Kleidchen und Goldklunkern. Einen Vertrag mit Nike hat die 22-Jährige zwar nicht. Doch je

der Teenager, der sich mit Mode auskennt, weiß: Ihre Sneaker sind in.
Auch Avril Lavigne kann modisch bei Teenagern punkten: Früher stand sie auf schwarze Mäntel, Lagen-Look und Smokey Eyes. Ebenso ihre Fans. Kaum hatte die Punk-Röhre ihre Klamotten im Gothic-Stil abgelegt, wurden ihre Beats fröhlicher. Jetzt ist sie, in Baggy-Jeans und mit Turnschuhen, ganz auf Skater-Girl getrimmt. Wetten, dass ihre geplante Modekollektion gut ankommt? Soulsängerin Joss Stone schaffte es immerhin zum Kampagnen-Model für die amerikanische Modekette GAP. Ihre Musik und die zuweilen etwas brave Mode passten gut zusammen. Einzig rätselhaft bleibt Bill Kaulitz. Wer war vorher da: Das japanische Manga oder er? Und für wen könnte er Testimonial sein?
Manche Bewegungen aus der Jugendszene behaupten sich andererseits locker ohne Stars. Di

e Mode der New Raver beispielsweise, deren Musik 2006 in London boomte und über Paris in die deutschen Clubs kam, griff einen Trend der 80er- und 90er-Jahre auf und machte neonfarbene Shirts und Smileys wieder massentauglich. Wer auf Emo-Punk steht, hält sich dagegen lieber bedeckt in Schwarz.
Schön, dass die großen Designer in der Musikszene aus dem Vollen schöpfen. So beispielsweise Marc Jacobs, der sich Anfang der 90er-Jahre vom Schlampenlook à la Courtney Love inspirieren ließ und den Grunge-Look auf die Laufstege brachte. Oder etwa der Ausstatter von Marilyn Manson, Ricardo Tiscci, der 2005 Chef-Designer von Givenchy wurde und schwarze Spinnennetz-Kleider Haute Couture-fähig machte. Was wäre umgekehrt so mancher Musiker ohne Inspiration aus der Fashion-Welt? Madonna im Schlabberanzug oder Kylie Minogue als Hip-Hop-Braut etwa, nicht auszudenken.
"Sex Pistols"-Ausstatterin Vivienne Westwood geht übrigens noch einen Schritt weiter. So ist die Londoner Designerin bis heute davon überzeugt: Hätte sie den Sex-Pistol-Punkern nicht die passenden Klamotten verpasst, wäre die Band von Anfang an gescheitert. Das klingt ein wenig übertrieben. Aber ein bisschen Recht hat Vivienne Westwood wahrscheinlich dann doch.
Autor: Anne Hund
Quelle: www.VanityFair.de
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