Der hat nie hinterfragt, was seine Gefolgsleute wirklich über ihn denken ...
teleschau: Hat diese Einstellung auch Ihr Privatleben bereichert?
Butler: Die Erfahrung zeigte mir, dass ich meine Unsicherheiten zwar nicht besser kontrollieren kann als vorher. Aber ich kann verstehen, warum sie auftreten. Ich verstehe jetzt, was mich verunsichert. Jedem Zuschauer steht es offen, etwas für seine eigene Persönlichkeit aus dem Film zu ziehen. Der Weg der persönlichen Erkenntnis muss ja nicht immer gleich aufs Schlachtfeld des Lebens führen, doch ich denke, dass die Philosophie der Spartaner viel bereithält, um sein eigenes Leben zu hinterfragen: ob es um den Job geht oder die eigene Integrität und Courage. So viel Spaß der Film macht, so ernsthaft kann man ihn interpretieren.
teleschau: Hat Ihnen die Reise zu den Wurzeln der Männlichkeit Spaß gemacht?
Butler: Natürlich fühlte ich mich wie ein richtiger Mann. Das war auch der Grund, weshalb ich Rollen wie Attila, Beowulf oder jetzt Leonidas annahm. Indem ich diese in gewisser Weise übermenschlichen Figuren verkörperte, konnte ich sie zurück ins Leben holen, ihnen Menschlichkeit einhauchen. Außerdem hat mich an diesen Charakteren die unverfälschte, ausdrucksstarke Männlichkeit fasziniert - mit all ihrer physischen Kraft und Ästhetik.
teleschau: Besitzen diese Charaktere für Sie also etwas Lehrreiches?
Butler: Und wie: Schon als ich "Beowul & Grendel" drehte, merkte ich, wie wehleidig man sein kann. Das Wetter war furchtbar, es regnete ständig, dazu 16 Stunden Drehzeit pro Tag. Drei Monate sollte das alles dauern. Ich wollte sterben. Doch dann dachte ich darüber nach, dass die Wikinger nur dieses Wetter kannten und dass es ihnen überhaupt nichts ausmachte. Stürme, Frost, mitten auf dem Ozean: Das ist Männlichkeit, die niemand in Frage stellen kann. Dagegen haben wir in unserem Leben mit Problemchen zu kämpfen, die nun wirklich keiner Rede wert sind. Wenn ich also ständig solche Typen spiele, dann färbt deren Mentalität natürlich auch auf mich ab - und ich werde härter im Nehmen. Ich möchte mir meinen Körper und meine Fitness verdienen. Wir können viel von der damaligen Zeit lernen. Und je einfacher wir diese Geschichten erzählen, desto besser kann sie jeder verstehen und auf sein eigenes kompliziertes Leben anwenden.
teleschau: "300" ist eine Verfilmung von Frank Millers Comic. Waren Sie als Kind ein eifriger Comic-Leser?
Butler: Ich hatte ständig irgendeines dieser Heftchen in den Händen, meist schottische Bildergeschichten für Kinder
1
·
2
·
3
·
4