Wohlfühlen unter Kniefetischisten: Flirtexpertin Nina Deißler mischt bei "Wo die Liebe hinfährt" (ab 12.07., so., 18.15 Uhr, ZDF) mit

Interview mit einer Flirtexpertin! Bloß geschmeidig rüberkommen, mann will ja nachweisen, dass er's draufhat. Gott sei Dank versteht Nina Deißler ihr Handwerk: "Was dagegen, wenn ich mir eine anzünde?", fragt sie, durchs Telefon wohlgemerkt, und hat den ersten Lacher für sich verbucht. Die tatsächlich sehr charmante Trainerin in Sachen "Marketing, PR und Herzensangelegenheiten", studierte Marketingfachwirtin, gewährt eine Stunde Einblick in die hohe Schule der Flirtkunst. Eigentlich, so weiß man nach der Lektion erleichtert, geht es nur um gepflegte Kommunikation, gute Beobachtung und, ganz wichtig, ums Wohlfühlen. Nina Deißler, als Coach und Autorin ein Star ihres Metiers, ist in der ZDF-Kuppeldoku "Wo die Liebe hinfährt" (ab 12. Juli, sonntags, 18.15 Uhr) mit von der Partie, wenn ein Trupp Kölner Mädels auf Schweriner Jungs losgelassen wird. West flirtet mit Ost - 20 Jahre nach der Wende wird's Zeit.

teleschau: Frau Deißler, Sie bringen den Deutschen das Flirten bei. Wieso?

Nina Deißler: Weil es nötig ist. Ich stelle immer wieder fest, dass es den Italienern oder den Spaniern viel leichter fällt.

teleschau: Was genau verstehen Sie unter Flirten?

Deißler: Es gibt einerseits "den netten Kontakt" - freundliche Worte zwischen zwei Personen, egal welchen Geschlechts - das können die meisten. Dann gibt es die "Anmache" - immer eindeutig, meistens zwischen Mann und Frau, mit zumindest einseitigem sexuellem Interesse. Beides ist nicht Flirten!

teleschau: Was dann?

Deißler: Das Flirten liegt irgendwo in der Mitte. Wenn ich in Palermo durch die Straßen gehe, ein junger Mann stoppt seinen Wagen, beugt sich 'raus, ruft: "Oh Bella!", um dann weiterzufahren - das ist im Grunde schon Flirten.

teleschau: Das passiert Ihnen?

Deißler: In Palermo? Zweimal am Tag!

teleschau: Und in Hamburg?

Deißler: Nie.

teleschau: Was sagt uns das?

Deißler: Im Brockhaus finden Sie unter dem Begriff "Flirten": "spielerische Kontaktaufnahme zwischen Mann und Frau mit leicht erotischem Akzent."

teleschau: Ach so. "Spielerisch zu sein" war nie eine deutsche Tugend ...

Deißler: Eher nicht. Andererseits wünschen sich immer mehr Menschen, flirten zu können, weil sie gerne einen Partner hätten. Hier komme ich ins Spiel. Meine erste Lektion: Ich mache den Leuten klar, dass es ihnen viel leichter fällt, einen Partner zu finden, wenn sie zwar sehr viel flirten, aber nicht immer nur mit Menschen, die sie attraktiv oder begehrlich finden.

teleschau: Ach was?

Deißler: (lacht) Deutschland ist ein Land von Kniefetischisten! Beobachten Sie mal die Leute auf der Straße! Die gucken sich gegenseitig maximal bis aufs Knie, nicht ins Gesicht. Jedenfalls gilt das nach meiner Einschätzung für 95 Prozent. Wer zu mir in die Beratung kommt, wird vor die Wahl gestellt: Willst du dich weiter über die Kniefetischisten ärgern, aber zu ihnen gehören, oder willst du einer der fünf Prozent sein, die den anderen ins Gesicht schauen? Das erste Problem ist die weit verbreitete Kontaktscheu.

teleschau: Stehen wir wirklich so schlecht da im internationalen Vergleich?

Deißler: Wir liegen weit hinten. Gehen Sie mal in Südeuropa auf einen Markt. Dort sprechen die Leute miteinander - solche, die sich gar nicht kennen. Auch in Amerika oder Kanada ist es besser. Der Amerikaner sagt auch zu Fremden einfach "How are you?"

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