Verena Wriedt: Auf dem roten Teppich geblieben
Der Glamour ist auch nicht mehr das, was er einmal war. In der Zeit der Goldkettchen, der Brustbehaarung, der Cabriolets, Föhnfrisuren und grässlichen Sakkos - manche nennen sie die 80-er - waren Promimagazine verlässliche Quotengaranten. Lang ist's her. Doch nach jahrelanger Flaute rollen die roten Teppiche inzwischen wieder häufiger in die Wohnstuben. RTL hat den Dauerbrenner "Exclusiv", das ZDF "Leute heute", vox hat "Prominent!" und ProSieben seit Kurzem "Red!". Nun zieht Sat.1 mit "STARS & Stories" (ab Sonntag, 21. Juni, 22.15 Uhr) nach, das standesgemäß von einer großen, attraktiven Blondine präsentiert wird. Verena Wriedt heißt sie, ist 34 Jahre alt, moderiert noch bis 19.06. das N24-Männermagazin "MM" und erweist sich im Gespräch vor allem als zweierlei: aufgeweckt und überraschend bodenständig.
teleschau: Frau Wriedt, woran liegt's eigentlich, dass Glamour-Magazine nach langer Flaute wieder mehr im Trend liegen? Gerade jetzt, wo vor wachsendem Sozialneid gewarnt wird, schaut man den Superrei

chen wieder freudig zu?
Wriedt: Naja, irgendwo hat doch jeder diese Sehnsucht. Egal, wie gut oder schlecht man betucht ist: Jeder träumt gerne. Und jeder lästert gerne (lacht). Für mich ist Glamour jedenfalls schon immer spannend gewesen.
teleschau: Motiviert Sie auch der Wunsch, ein bisschen zu den Schönen und Reichen dazuzugehören?
Wriedt: Nein, eigentlich nicht. Ich bin niemand, den es in die Öffentlichkeit zieht. Ich mache den Job nicht, um bekannt zu werden, sondern weil Leidenschaft dahintersteckt. Wenn ich mit Schlabberlook, Brille und Pferdeschwanz durch die Straßen gehe, finde ich es gut, wenn mich die Menschen auch weiterhin nicht erkennen. Wenn ich von Gina-Lisa höre, dass sie von Teenies auf dem Klo geknipst wird, muss ich sagen: Da bin ich nicht scharf drauf.

teleschau: Gerade in Ihrem Metier scheint die Gefahr aber groß zu sein, dass Moderator und Star zu einem Glamour-Klüngel verschmelzen.
Wriedt: Das ist richtig. In meiner Branche ist die Trennung von Beruf und Privatleben ganz wichtig. Ich berichte über Stars, dazu muss ich aber selbst kein Star sein. Ich halte gerne die Fäden in der Hand, muss aber nicht im Mittelpunkt stehen.
teleschau: Mal eine konkrete Verstehensfrage, die zugegeben ein bisschen unfair ist: Boris Becker feiert vor laufenden Kameras Traumhochzeit. Warum muss man das sehen?
Wriedt: Zum einen, weil darüber gesprochen wird und man ja mitreden möchte.
teleschau: Na gut.
Wriedt: Zweitens: Wenn wir von diesem Event wissen und nicht darüber berichten, machen wir vermutlich etwas falsch i

n unserem Job. Drittens interessiert mich von einem professionellen Standpunkt die Umsetzung: Wie viel gibt dieser Weltstar letztlich preis und wie viel nicht? So viel kommt ja häufig doch nicht dabei rum.
teleschau: Ist Ihnen das Gefühl des Fremdschämens vertraut?
Wriedt: Doch das habe ich auch ... (Pause) sogar oft (lacht). Es ist eine Herausforderung, solche Momente in Begleitung der Kamera zu erleben. Man muss zwar neutral bleiben, darf niemanden in die Pfanne hauen. Aber wenn jemand etwas extrem Dummes sagt, hat man ja schon seine Meinung, mit der ein Journalist auch nicht unbedingt hinter dem Berg halten muss. Da darf man schon mal dezent nachhaken.
teleschau: Drückt eigentlich die Finanzkrise auf die Stimmung bei den Millionären
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