"Die Unerzogenen" - Fehlende Grenzen
Sie rauchen, trinken, nehmen Drogen und haben ständig Ärger mit der Polizei. Die Eltern der 14-jährigen Stevie (Céci Chuh) sind selbst nie erwachsen geworden. In dem Drama "Die Unerzogenen" (2007), das die ARD nun in einer Erstausstrahlung zeigt, stellt Regisseurin Pia Marais normale Eltern-Kind-Beziehungen auf den Kopf. Sie verfolgt das Erwachsenwerden ihrer jungen Hauptdarstellerin, die sich zwar nach der Geborgenheit einer normalen Familie sehnt, aber erkennen muss, dass sie Stabilität nur durch Abnabelung und Selbstständigkeit erreichen kann.
Stevie vagabundiert mit ihren heimat- und ruhelosen Eltern durch Europa. Vater Axel (Birol Ünel) saß wegen kleinerer Dealereien im Knast und bleibt unbelehrbar, auch Mutter Lily (Pascale Schiller) ist

in die Drogengeschichten verwickelt. Als die Familie von Portugal in die deutsche Provinz zieht, hofft Stevie, endlich ein normaleres Leben führen zu können.
Doch schon bald gerät die kaum vorhandene Ordnung aus den Fugen. Freunde der Eltern quartieren sich ein, von denen mindestens einer (Georg Friedrich) für Stevie nicht nur einen schlechten Einfluss, sondern sogar eine mögliche Gefahr darstellt. Lily sieht dessen sexuelle Avancen ihrer Teenager-Tochter gegenüber allerdings gelassen: "Der kann's nicht abwarten, dich zu kriegen."
Um sich gegenüber den Gleichaltrigen im neuen Wohnort interessant zu machen, behauptet Stevie, sie sei eine Diplomatentochter - eine Lüge, die sie nicht lange aufrechthalten kann. Und plötzlich droht das Mädchen, nicht nur vom Chaos ihrer Erzeuger, sondern auc

h ihren eigenen Lügen verschlungen zu werden.
Für die Regisseurin hat "Die Unerzogenen" eine ganz besondere Bedeutung. "Meine Eltern waren Hippies, und ihr chaotisches Leben hat mir immer als lebendige Inspirationsquelle gedient", schreibt sie auf der Website der Produktionsfirma. Fehlende Grenzen seien das zentrale Thema des Films. "Wie sollen Kinder ihre eigene Identität entwickeln, wie können sie gegen ihre Eltern rebellieren, wenn die Unterscheidbarkeit zwischen den Generationen nicht mehr gegeben ist?"
Sparsam in Dialog und Interaktion konzentriert sich Pia Marais ganz auf ihre Figuren und deren Beziehungen zueinander. Wenige Worte sprechen hier Bände. Die gesamte Besetzung überzeugt, doch vor allem die heute 18-jährige Céci Chuh liefert eine beeindruckende Leistung. Ihre Stevie i

st nicht liebenswert und süß, sondern kratzbürstig, zornig und gleichzeitig verletzlich. Chuh schafft es, kindliche Unschuld mit zu früher Reife zu kombinieren und so dem ganzen Film eine erstaunliche Authentizität zu verleihen.
Die ARD zeigt das Drama im Rahmen der Reihe "Debüt im Ersten" und setzt diese am Montag, 3. August, mit "Blindflug" (22.45 Uhr) fort.
Ausstrahlung am 27.07.2009 um 22:45 Uhr auf ARD
Zur Bilder-Galerie
Autor: Melanie Grimm/teleschau - der mediendienst
Bilder:
WDR / Astrid Wirth
Weiterführende Links