teleschau: Wo ist in Ihrer Rolle, Ihrer Darstellung, der subtile Stachel zu finden?

Koch: Das werde ich nicht erzählen, das gehört zu meinem beruflichen Privatbereich. Da geht es um die Anlage der Rolle. Ums Temperieren, ums sich Ausweiten. Du musst glaubhaft bleiben und dennoch überraschend sein. Sich immer ein Stückchen weiter zu entwickeln und dabei auch zu frappieren, allein das stellt doch gelungene Unterhaltung dar. Wenn man so will, ist dieses Überraschungsmoment auch ein bisschen subversiv, weil Erwartungen untergraben werden.

teleschau: Wenn wir bei der Einteilung "Art House" und "Unterhaltung" bleiben, kann man sagen: Im Theater sind Sie ein klarer Protagonist des "Art House", im Fernsehen sieht man Sie fast nur in Unterhaltungsformaten. Steckt da eine Strategie dahinter?

Koch: Nein. Ich bin, was das Fernsehen betrifft, ein extremer Späteinsteiger. Mit 40 Jahren habe ich da meine ersten Rollen gespielt. Es ist nicht so, dass jeden Tag zehn Top-Drehbücher auf meinem Tisch liegen. Ich behaupte sogar, das geht selbst prominenteren Kollegen so. Nicht alle Rollen, die ich im Fernsehen spielte, konnte ich mir aussuchen. Ich musste meine Übungsrunden drehen. So ging das die letzten Jahre. Ich habe viel gelernt. Michael Caine hat mal gesagt: "Nur ein nicht spielender Schauspieler, ist ein schlechter Schauspieler."

teleschau: Wovor haben Sie mehr Respekt: eine komplexe Hauptrolle am Wiener Burgtheater oder Ihre Rolle in "Geld.Macht.Liebe"?

Koch: Vor beidem habe ich großen Respekt, und im günstigen Fall befeuern sich diese beiden Welten gegenseitig. Wir drehen die Serie seit April. Momentan jette ich noch häufig zwischen Wien und Frankfurt hin und her, weil ich ab und an abends Theatervorstellung habe. Fernsehen ist für einen Schauspieler Arbeiten mit gebremstem Schaum. Die Kamera findet es oft interessanter, wenn Leute einfach nur versammelt sind. Im Theater erwartet man einen Ausbruch. Ich baue beim Drehen oft Spannung auf, die ich abends auf der Bühne rauslassen kann. Auf der anderen Seite hat man dadurch wieder etwas zu verwalten, ein emotionales Erlebnis, das einem beim zurückhaltenden Drehen, beim Fokussieren auf die kleine Geste im kurzen Augenblick hilft.

teleschau: Die ARD hat große Probleme mit der Vorabendserie "Eine für alle", in der es um kleine Leute in der Wirtschaftskrise geht. Sie bieten nun den Gegenentwurf. Vor dem Hintergrund der Finanzkrise verfolgen wir die Reichen, Schönen und Mächtigen

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