Insofern sind wir in einer Art mafiösen Struktur. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns - so lautet einer der Kernsätze dieser Welt. Er gilt für die Familie und ihre Bank. Wer gegen uns ist, muss zerstört werden. Und in dieser Kategorie hat man dann auch kein Gewissen mehr, das ist ein sehr archaischer Kosmos.
teleschau: Im Titel "Geld.Macht.Liebe" steckt schon ein gewisser Drang nach großen, üppigen Geschichten drin. Reden wir über eine Hochglanz-Seifenoper für die Primetime?
Koch: Seifenoper in dem Sinn, dass da ziemlich eckige und viereckige Dinge passieren. Bei manchen würde ein nüchterner Geist sagen, dass er sich das so jetzt nicht vorstellen kann. Ich sehe das jedoch anders. Manche Situationen und Geschehnisse sind etwas surreal - oder besser formuliert, ausgesprochen fiktional. Will sagen, dass man sie in der Gesellschaft so nicht eins zu eins wiederfindet. Aber ich sehe das wie im Theater - manchmal ist es besser, eine Art von Hyperrealität herzustellen, um seine Aussage zu treffen, sein Ziel zu erreichen.
teleschau: Was genau ist für Sie an dieser Serie das Hyperreale?
Koch: Naja, diese Frankfurter Bankentürme - dass wir uns in denen als Laien bewegen und behaupten, wir könnten etwas über Banken- und Finanzkrise erzählen - das ist natürlich stark übertrieben. Ebenso die Art und Weise, wie Beziehungen entstehen und wieder auseinandergehen. Das ist bei uns in dem Sinne hyperreal, als dass es darum geht, Dinge zuzuspitzen.
teleschau: Wenn man im Theater übertreibt, dient es der Enttarnung der Verhältnisse. Im Fernsehen kommt Übertreibung hingegen meist als melodramatisch rüber. Taugt Übertreibung im Fernsehen einzig und allein zur Unterhaltung?
Koch: Theater und Fernsehen kann man nicht vergleichen. Der Zuschauer im Theater erwartet sozusagen a priori, einer Zumutung beizuwohnen. Wenn es keine Zumutung ist, dann war es langweiliges Theater - da gibt es auch einen Konsens in der Gesellschaft. Im Fernsehen erlebt man die Zumutung nur im Sparten- oder Nachtprogramm. Es gibt "Art House" und "Mainstream". Startet man im anspruchsvollen Feld, hat man es im Prinzip leichter: Ist es ein Erfolg, wird man gefeiert. Bleibt er aus, sagt jeder: "Logisch, das war zu gut, um erfolgreich werden zu können." Arbeitet man wie ich auf dem Feld der Unterhaltung, wird man kritischer beäugt, und eigentlich kann nur ein Erfolg deinen Ruf retten. Für mich als Schauspieler geht es aber auch darum, innerhalb des Genres Unterhaltung ein paar Stachel zu setzen, auch in Nuancen ein wenig subversiv zu sein
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