Roland Koch: Burgschauspiel in der Seifenoper

Ist der Mann schizophren? Hält er sein Publikum zum Narren? Fakt ist, dass der Schauspieler Roland Koch - keineswegs verwandt mit dem namensgleichen und ebenfalls äußerst wandelbaren hessischen Politiker - mindestens zwei Berufsleben führt, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Am Wiener Burgtheater, wo er als Regisseur, Schauspiellehrer und prominentes Ensemblemitglied einen Ruf wie Donnerhall genießt - steht der Schweizer Mime für anspruchsvollste Theaterarbeit. Im Fernsehen hingegen sieht man den 50-Jährigen fast ausschließlich in leichten Produktionen. In einer solchen dürfte nun der nächste Karrieresprung erfolgen. Als Familienoberhaupt Markus von Rheinberg in der ARD-Edelsoap "Geld.Macht.Liebe" (ab 06. Juli, montags, 20.15 Uhr) spielt der mediale Grenzgänger ab sofort ein deutsches Update des Texas-Fieslings J.R. Ewing aus der 80er-Kultserie "Dallas".

teleschau: Sie sind ein renommierter Theaterschauspieler, spielen am Wiener Burgtheater. Fernsehen haben Sie bislang nur sporadisch gemacht. Ist die Hauptrolle in einer lang angelegten Serie nicht ein Einschnitt im Leben?

Roland Koch: Zunächst drehen wir 21 Folgen, das ist in der heutigen Zeit in der Tat viel. Aber es war ein Angebot, das ich nicht ablehnen konnte. Auch weil die Rolle so viel Potenzial besitzt. Ich darf dort einfach alles sein: Liebhaber, charmanter Vater, Krimineller, Familienmensch. Wie oft hat man schon die Gelegenheit, Protagonist und Antagonist in einem zu sein?

teleschau: In den frühen Achtzigern startete im deutschen Fernsehen die TV-Serie "Dallas" - auch da war der Held ein Böser, es ging ebenfalls um Reichtum, Macht, Intrigen. Ist "Geld.Macht.Liebe" das deutsche Update dieser Art Serie knapp 30 Jahre später?

Koch: Es gibt da durchaus Parallelen. Unsere Geschichte bietet natürlich Gelegenheit, ganz viele Themen zu bündeln: das Ausleuchten von Familienstrukturen, die Besonderheiten von Leuten mit "altem Geld", dazu haben wir das Glück, dank unseres Schauplatzes Finanzwelt mit dieser Krise zu kollidieren. Und das alles im Hochglanzformat, denn es soll ja vor allem unterhalten. Wenn man diese Themenstränge alle so sieht, existieren da schon Ähnlichkeiten zu Serien aus den 80er-Jahren.

teleschau: Ist es für einen Schauspieler schwierig, einen Serienhelden beim Publikum zu etablieren, der viele negative Eigenschaften hat?

Koch: Ob man sich mit einem Helden identifiziert oder von ihm im negativen Sinne fasziniert ist - beides hat Potenzial. Das Wichtige für mich ist jedoch, dass sich dieser Held entwickeln darf, dass viele Seiten von ihm am Anfang noch gar nicht feststehen - auch für mich als Darsteller nicht. Ohnehin ist kein Mensch einfach nur böse, sondern es kommen Situationen auf ihn zu, da entscheidet er sich, entweder das Legale oder das Illegale zu tun. Mir geht es um das Verhalten in Grenzsituationen. Manche Menschen beugen sich dann irgendeiner Art von Rechtssystem, dem sie sich verpflichtet fühlen. Ein anderer zimmert sich sein eigenes Recht. Solche Ausstiege aus dem, was man unter dem Begriff Recht summiert, gehören für mich als Schauspieler zu den faszinierendsten Situationen. Ob man dies dann als schwach, böse oder faszinierend bezeichnet, egal. Das sind ja alles nur Begriffe.

teleschau: Sie spielen einen Menschen, der seine Regeln selbst aufstellt?

Koch: Ja und nein, denn er würde behaupten, dass die Familie diese Regeln aufstellt

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