Placebo: Ein Platz an der Sonne

Als der Gitarrenrock Mitte der 90er-Jahre farblos und fad zu werden drohte, pinselten Placebo dem gebeutelten Genre ein bisschen Rouge auf das in die Jahre gekommene Gesicht - auch wenn das letzte Werk "Meds" aus dem Jahr 2006 durchweg in dunklen Farben getönt war. Doch jetzt, mit ihrem siebten Album "Battle For The Sun", ist einiges anders. Und das nicht nur, weil das britische Trio einen neuen Schlagzeuger hat, wie Bandboss Brian Molko im Interview erklärt.

teleschau: Depeche Mode tauften ihr neues Album "Sounds Of The Universe", Ihr Eures "Battle For The Sun". Sci-Fi-Themen scheinen angesagt zu sein.

Brian Molko: Genau! Ich liebe Science-Fiction, schon immer. Ich bin definitiv der Trekkie unserer Band. Als wir mit möglichen Titeln herumspielten, im Übungsraum beim Jammen, stellten wir uns vor, wie es wäre, mal ein Sci-Fi-Album zu machen, so im Stile von Manga-Comics wie "Akira", mit denen ich aufgewachsen bin. Das war die Atmosphäre, in der wir uns befanden, als wir "Battle For The Sun" schrieben.

teleschau: Auf dem Album gibt es viele neue Sound-Details, dazu Streicher und erstmals Bläser. Kannst Du das Konzept dahinter erklären?

Molko: Es sollte ein farbenfrohes Album werden, total psychedelisch, jedoch nicht im eigentlichen Wortsinn, denn psychedelisch bedeutet ja, deine Seele zu zeigen. Ich assoziiere damit eher eine Explosion der Farben, einen schrillen Rausch der Farben. Ich meine damit auch nicht den Stil des Psychedelic Rock, den ich zwar schätze, aber bei Placebo nicht spielen würde. Diesmal ging es um die Assoziation von Licht und Farben, denn "Meds" war ein extrem düsteres Album.

teleschau: Über das schlechte Klima in der Band kursieren seit damals Gerüchte ...

Molko: Nun, man hat uns angemerkt, dass die Beziehung zwischen uns in den letzten Jahren mehr und mehr komplizierter und am Ende sogar regelrecht unangenehm wurde. Aber jetzt haben wir mit Steve Forrest ein neues, vollwertiges Band-Mitglied und damit die Freude und die Freiheit am Songwriting wieder gefunden. Wir hatten das Gefühl, dass das mit Mr. Hewitt nicht mehr möglich war.

teleschau: Der wurde bekanntlich von Euch gefeuert. Waren Drogen ein Grund?

Molko: Sagen wir es mal so: Es waren die Präferenzen seines Lebensstils. Wie jeder weiß, ruinieren Drogen und Geld gerne mal Bands. Und beide Dinge spielten auch bei unserer Entscheidung eine Rolle.

teleschau: Hewitt wird ersetzt durch Steve Forrest, dessen Band Evaline 2006 Euer Support-Act war. Nach welchen Kriterien habt Ihr Euch gerade für ihn entschieden?

Molko: Wir brauchten einen guten Musiker, allein schon, weil wir mit diesem Album wieder lange, anstrengende Shows spielen werden. Wir brauchten also jemanden mit Ausdauer und Stehvermögen, der lange Konzerte durchziehen und zwei Stunden auf der Bühne Vollgas geben kann - wozu Mr. Hewitt mit seinem Lebensstil einfach nicht mehr in der Lage war. Das war ein Kriterium. Das zweite war, dass wir jemand wollten, der noch sehr jung ist

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