Ohne die hätten alle Anstrengungen nicht viel Sinn.
teleschau: Indien gilt zugleich als Land des wirtschaftlichen Aufschwungs. Die soziale Schere klafft hier enorm auseinander ...
Furtwängler: Natürlich. In den gehobenen Gesellschaftsschichten gibt es diese Problematik auch gar nicht, da sind Frauen sehr angesehen. Doch in den armen, ungebildeten Familien in den Slums sieht man in ihnen lediglich die teure Mitgift. Wir behandelten in der Ambulanz häufig Frauen mit schweren Verbrennungen. Manche Männer, die ihrer Frauen überdrüssig werden, versuchen, sie auf diese Weise zu loszuwerden. Sie spekulieren auf eine neue Mitgift.
teleschau: Die deutschen Ärzte, die sich in Kalkutta engagieren, verzichten auf ihren Jahresurlaub, um helfen zu können ...
Furtwängler: Eine unglaubliche Geste! Sie verzichten nicht nur auf ihren Urlaub, sie zahlen auch die Hälfte der Flugkosten selbst, wohnen sechs Wochen in den Slums. Auch deshalb wurde ich auf das Projekt aufmerksam: Ich fragte mich, was das für Menschen sind, die sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit derart aufopfern.
teleschau: Haben Sie heute eine Antwort?
Furtwängler: Es sind in gewisser Weise Idealisten, Menschen, denen es eine unwahrscheinliche Befriedigung verschafft, anderen helfen zu können. Auch wenn ich in geringerem Maß mithalf, kann ich das bestätigen: Wenn es einem gelingt, mit geringsten Mitteln schwerste Krankheiten zu bekämpfen, dann ist das extrem eindrucksvoll und befriedigend.
teleschau: Vermissen Sie als studierte Medizinerin diese sozusagen "ehrliche" Arbeit am Menschen bei der Schauspielerei?
Furtwängler: Ich war gerne Medizinerin, sehr sogar. Ich bedauere heute, dass ich wissenschaftlich etwas den Anschluss verloren habe. Es ist schon toll, wenn man die Sicherheit hat, jemanden anzuschauen, anzufassen, und auf ein Krankheitsbild schließen zu können. Ich tue das noch im Bekanntenkreis, weiß aber auch nicht, ob ich noch so gut wie vor fünf oder zehn Jahren bin.
teleschau: Würden Sie den Knochenjob überhaupt noch mal dauerhaft machen wollen?
Furtwängler: Es ist schon richtig, Mediziner zu sein, ist ein Knochenjob. Aber immerhin hat man einigermaßen geregelte Arbeitszeiten. Als Schauspielerin wurde der Stress nicht unbedingt geringer. An einem Tag wie heute geht es auch von acht Uhr morgens bis Mitternacht.
teleschau: Spürten Sie eigentlich Misstrauen seitens der ehrenamtlichen Helfer gegenüber dem Promi, der sich womöglich nur gut in Szene setzen will?
Furtwängler: Das spürte ich bei den Ärzten anfangs tatsächlich, was ich gut verstehen kann
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